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UniCredit: Poker um 40-Millionen-Abfindung für Profumo

Alessandro Profumo
(c) AP (Luca Bruno)
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Nach dem Rücktritt von UniCredit-Chef Alessandro Profumo am Dienstagabend sorgt die Vorgehensweise in Finanzkreisen für Kopfschütteln. Profumo feilscht nun um seine Abfindung, zwei Millionen Euro will er spenden.

UniCredit-Konzernchef Alessandro Profumo ist Dienstagabend zurückgetreten. Noch bevor sein bisheriger Arbeitgeber nach vierstündiger Aufsichtsratssitzung sein Kommunique fertig hatte, bestätigte die Ehefrau des Bankiers, Sabina Ratti, die Demission ihres Mannes. Bis zum späten Abend hat Profumo in einer Mailänder Kanzlei mit seinen Topanwälten an Details zur Vertragsauflösung gefeilt. Es geht um eine Abfindung von 40 Millionen Euro. Einen Teil, angeblich zwei Millionen Euro, will er spenden.

Intrigenspiel kostete Profumo den Job

Seit Montagabend stand der Rücktritt im Raum. An der Börse kam am Dienstag der sich abzeichnende Abschied des angesehenen Bankers nicht gut an. Der UniCredit-Kurs sackte ab. Gefürchtet wird eine längere Unsicherheit über die künftige Führungsstruktur. Denn Profumo, der sich politikfern und machtbewusst gab, galt als "berechenbar". Selbst für die Gewerkschaften, die mit ihm wegen Sparmaßnahmen im Clinch lagen.

Profumo hat aus einer guten Handvoll mittlerer norditalienischer Sparkassen einen Europa-Bankkonzern mit mehr als 160.000 Beschäftigten geschmiedet. Die damit verbundenen Fusionen und Entlassungen haben an vielen Stellen Wunden hinterlassen, sagen Insider. Sein autoritärer Führungsstil wurde jetzt offen angekreidet, neben Unmut über den Aufstieg staatlicher Investoren aus Libyen ist auch von Intrigen im Konzern die Rede.

Pröll: Keine Auswirkungen auf Standort Österreich

Profumo saß seit fast fünf Jahren auch dem Aufsichtsrat der Bank Austria vor. Im Bank Austria-Betriebsrat regt sich daher bereits erste Sorge um die Sonderstellung der Bank im Konzern, etwa um den vertraglich fixierten Status Wiens als Osteuropa-Zentrale.

Österreichs Finanzminister Josef Pröll hat am Dienstagabend den zurückgetretenen Vorstandschef der italienischen Großbank als "exzellenten Bankmanager" gewürdigt. Nach seinen Informationen werde Profumo der Verzicht auf Staatshilfe im Zuge der Finanzkrise vorgeworfen, Auswirkungen auf die Bank Austria und den Standort Österreich sehe er jedoch nicht, sagte Pröll.

Profumo fühlt sich aus Amt gejagt

Profumos Ehefrau bestätigte am Dienstagabend, dass die Familie in den vergangenen Stunden starkem Stress ausgesetzt gewesen sei. Es sei dies aber "kein Weltuntergang", sagte die Gefährtin des Bankers. Es gebe ja nicht nur UniCredit. Zuvor hatte sich Alessandro Profumo selber intern schon bitter geklagt, praktisch aus dem Amt gejagt zu werden. In Finanzkreisen herrschte ebenfalls Kopfschütteln über die Art der Trennung vom dienstältesten Bankchef Europas.

Die Mailänder Bank hatte Profumo laut ANSA ein Ultimatum bis Mitternacht gestellt, um eine einvernehmliche Vertragsauflösung anzunehmen. Davor hatte der Aufsichtsrat seinem Vorstandschef das Vertrauen entzogen. Profumo ist derzeit auch noch Aufsichtsratspräsident der Wiener UniCredit-Tochter Bank Austria.

Umstrittene Beteiligung der Libyer

Profumo lieferte sich seit Monaten einen Machtkampf mit einflussreichen italienischen Aktionären. Sie warfen ihm vor, einzelne Anteilseigner schwächen zu wollen.

Unmittelbar eskaliert war die Führungskrise im Konzern an einer umstrittenen Beteiligungsaufstockung durch libysche Staatsfonds, die zusammen mit der Notenbank aus Tripolis 7,6 Prozent halten. Die Lega Nord sprach sogar von der Gefahr einer Übernahme durch die libyschen Investoren.

Rückzug trifft UniCredit hart

Der 53-jährige Top-Manager aus Genua hat aus einem regional tätigen Geldhaus einen europäische Branchenriesen geformt. Durch Übernahmen wie die der HypoVereinsbank/Bank Austria vor genau fünf Jahren schufen sich die Italiener insbesondere in den damaligen Boommärkten in Osteuropa eine starke Position. Nach Einschätzung von Analysten trifft ein Rückzug Profumos UniCredit hart. Zwar seien nicht alle seine Deals besonders toll gewesen, aber er hinterlasse jetzt eine große Lücke, bis sich jemand finde, der es an Kompetenz mit Profumo aufnehmen werde.

Vorübergehend wird Aufsichtsratschef Rampl - einst Chef der deutschen HypoVereinsbank - die Geschäfte leiten. In drei Wochen will man mit einer nachhaltigen Nachfolgersuche weiter sein. Als einer der möglichen Nachfolger wurde am Dienstag bereits Federico Ghizzoni gehandelt, derzeit Vizechef der Bank Austria und im gesamten Konzern für die von Wien aus gesteuerten Osteuropaaktivitäten zuständig. Wer Profumo an der Aufsichtsratsspitze der Bank Austria folgt, war heute noch nicht bekannt.

(APA)