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Milliardenschaden für Credit Suisse

FILE PHOTO: the logo of Swiss bank Credit Suisse is seen in Bern
REUTERS
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Die Schweizer Großbank reagierte bei den Vorfällen rund um den US-Hedgefonds Archegos Capital zögerlicher als die Konkurrenz. Das kommt sie und die Anleger nun teuer zu stehen.

Der US-Hedgefonds Archegos Capital kommt die Schweizer Großbank Credit Suisse teuer zu stehen. Nachdem das Institut bereits in der Vorwoche eine Gewinnwarnung ausgegeben hatte, steht nun fest, wie tief es in dem Schlamassel rund um den Ausfall der US-Finanzfirma steckt: Die Belastungen für die Credit Suisse dürften sich auf 4,4 Mrd. Franken (rund vier Mrd. Euro) belaufen, wie das Institut am Dienstag mitteilte. Für das erste Quartal wird ein Vorsteuerverlust von rund 900 Mio. Franken angeführt. Dabei sollte 2021 eigentlich ein Jahr des Wachstums sein.

 

Investmentbank-Chef Brian Chin und Risikochefin Lara Warner müssen zudem ihren Hut nehmen. Die Konzernleitung rund um Chef Thomas Gottstein verzichtet auf ihre Boni. Auch setzt die Bank den Rückkauf eigener Aktien aus und will die Dividende um rund zwei Drittel auf zehn Rappen je Papier kappen.

Zwei Fehler binnen kurzer Zeit

An der Börse wurden die Nachrichten relativ positiv aufgenommen. Nachdem die Credit-Suisse-Aktie infolge der Gewinnwarnung der Bank vergangene Woche fast ein Fünftel an Wert verloren hatte, legte sie am Dienstag leicht zu. Der Kursrückgang seit Jahresbeginn liegt bei zehn Prozent.

Das Hedgefonds-Debakel ist für die zweitgrößte Bank der Schweiz bereits der zweite Fehlschlag in diesem noch jungen Jahr. Zuvor hatte die Pleite des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill Capital die Credit Suisse getroffen. Derzeit versucht die Bank, möglichst viel Geld zugunsten der Anleger mehrerer Lieferketten-Finanzierungsfonds zu retten, die sie gemeinsam mit Greensill aufgelegt hat.

Der erhebliche Verlust durch den Zusammenbruch des US-Hedgefonds sei „inakzeptabel“, sagte Vorstand Gottstein. Zusammen mit der angekündigten Auflösung der Lieferketten-Finanzierungsfonds habe dies die „Stakeholder erheblich verunsichert“. Beide Angelegenheiten würden eingehend untersucht und die Bank werde daraus ihre Lehren ziehen, versicherte er.

Andere verkauften schneller

Die Credit Suisse dürfte der Ausfall von Archegos allerdings so schwer getroffen haben wie kaum ein anderes Geldhaus. So hatte der japanische Finanzkonzern Nomura vor möglichen Belastungen in Höhe von etwa zwei Mrd. Dollar (1,7 Mrd. Euro) gewarnt. Die Deutsche Bank kam nach eigenen Angaben ohne Verluste aus ihren Geschäften mit Archegos heraus.

Auslöser der Probleme bei Archegos Capital war der Kurseinbruch beim Medienkonzern ViacomCBS, bei dem der Fonds groß beteiligt war. Weil Archegos die Forderungen der Banken nach mehr Sicherheiten nicht erfüllte, stießen diese im großen Stil Wertpapiere ab, um ihr Geld auf diese Weise hereinzuholen, berichteten mit dem Vorgang vertraute Personen. Die US-Häuser Goldman Sachs und Morgan Stanley sowie die Deutsche Bank verkauften Titel im Volumen von vielen Milliarden Dollar. Als sich Credit Suisse und die japanische Nomura entschieden, ebenfalls zu verkaufen, waren die Aktien aber bereits zu weit gefallen, um größere Verluste abzuwenden.

Schon Ende März hatte die Ratingagentur S&P den Ausblick für die Ratings der Credit Suisse von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Zwar könne die Bank aufgrund ihrer starken Kapitalisierung und ihrer robusten Erträge potenzielle finanzielle Verluste verkraften. Der Vorfall werfe jedoch Fragen über die Qualität des Risikomanagements, die Risikobereitschaft der Gruppe und die Angemessenheit des Risiko-Ertrag-Profils auf, schrieb sie.(Reuters/ag.)


[RCS3X]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.04.2021)