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Onlinehändler

Bezos für höhere Konzernsteuern

FILE PHOTO: Amazon CEO Bezos discusses his company's new Fire smartphone in Seattle, Washington
Plädiert für höhere Unternehmenssteuer: Amazon-Chef Jeff BezosREUTERS
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Der Amazon-Chef sieht darin eine Lösung, die die Wettbewerbsfähigkeit der USA aufrechterhält oder erweitert. Er selbst reduziert die besteuerbare Gewinnspanne mit Investitionen.

Der weltgrößte Onlinehändler Amazon steht seit langem wegen Steuervermeidung in der Kritik, jetzt spricht sich ausgerechnet Konzernchef Jeff Bezos für höhere Abgaben aus. "Wir unterstützen eine Anhebung des Unternehmenssteuersatzes", erklärte Bezos am Dienstag in einer im Firmenblog veröffentlichten Stellungnahme. Der Multimilliardär ermutigte Kongress und Regierung zu einer "richtigen, ausgewogenen Lösung, die die Wettbewerbsfähigkeit der USA aufrechterhält oder erweitert".

Bezos' Aussagen erfolgen vor dem Hintergrund eines billionenschweren Infrastruktur-Investitionsprogramms, das US-Präsident Joe Biden plant, und das zum Teil durch stärkere Unternehmensbesteuerung finanziert werden soll.

Biden rügte Amazon

Die Debatte um höhere Abgaben an den Fiskus war am Montag durch US-Finanzministerin Janet Yellen weiter angefacht worden, die einen globalen Mindeststeuersatz für Unternehmen forderte. Der Vorschlag dürfte auch bei der Videokonferenz der G20-Finanzminister am Mittwoch ein Thema gewesen sein. „Wir sind uns bewusst, dass diese Investition von allen Seiten Zugeständnisse erfordert - sowohl in Bezug auf die Einzelheiten der enthaltenen Leistungen als auch in Bezug auf die Art und Weise, wie sie bezahlt werden (wir unterstützen eine Erhöhung des Körperschaftsteuersatzes)“, meinte Bezos in einer kurzen Erklärung im Unternehmensblog. „Wir freuen uns darauf, dass der Kongress und die Regierung zusammenkommen.“

Dass Bezos oder Amazon sich öffentlich zu politisch brisanten Themen äußern, ist eigentlich ungewöhnlich. Allerdings steht der Konzern unter Druck und kann positive PR derzeit gut gebrauchen. US-Präsident Biden hatte Amazon jüngst bei einer Rede als eines jener Unternehmen gerügt, die gesetzliche Schlupflöcher nutzen, um Steuerzahlungen zu vermeiden. Außerdem ließ eine Abstimmung in Alabama, durch die erstmals eine US-Gewerkschaft Einzug bei Amazon erhalten könnte, die Debatte um die Arbeitsbedingungen des Konzerns wieder hochkochen.

So hatte sich der Onlinehändler nach einer Twitter-Auseinandersetzung darüber, wo und wie Beschäftigte ihre Notdurft verrichten, bei einem US-Abgeordneten entschuldigt. Am Osterwochenende räumte Amazon in einer Mitteilung ein, dass Lieferfahrer mitunter keine Toiletten fänden und bestätigte somit erstmals Berichte, wonach Mitarbeiter unter hohem Zeitdruck im stressigen Arbeitsalltag in Flaschen urinieren. Außerdem ging Jay Carney, ein Biden-Mitarbeiter während der Obama-Regierung, der heute die Lobby- und Kommunikationsteams von Amazon leitet, auf Twitter auf die Kritik ein und sagte, Amazon habe seine Steuerbelastung mit Krediten reduziert, die Anreize für Ausgaben für Forschung und Entwicklung bieten sollen.

Bezos nutzt Schlupflöcher

Amazon weist auch deshalb historisch niedrige Gewinnspannen auf, weil es den größten Teil des Umsatzes wieder in das Unternehmen investiert. Dies reduziert die Belastung durch Unternehmenssteuern auf der Grundlage des Gewinns, berechtigt Amazon für Steuergutschriften für Forschung und Entwicklung und bedeutet, dass eine Erhöhung dieser Steuern eine geringere Last wäre als für Unternehmen mit höherem Gewinn.

Eine bessere Infrastruktur hilft Amazon dabei, Waren effizient im ganzen Land zu transportieren. Seine Existenz beruht auf öffentlichen Investitionen in das Internet und den Postdienst. (ag./mad.)