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Brüssel-Briefing

Kein Thron für Ursula

++ ARCHIVBILD ++ ++ HANDOUT ++ 'SOFAGATE': EU-KOMMISSIONSPRAeSIDENTIN VON DER LEYEN UND EU-RATSPRAeSIDENT MICHEL BEI TUeRKISCHEM PRAeSIDENTEN ERDOGAN
Die EU bei Erdoğan zu Gast.EUROPEAN COMMISSION/NECATI SAVA?
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Die Brüskierung von Kommissionspräsidentin Von der Leyen in Ankara veranschaulicht zweierlei: die EU wird als weltpolitischer Akteur nicht ernst genommen - und die Kommission ist nur eine besseres Sekretariat für die nationalen Regierungen.

Protokoll-Machismus: mein „Politico"-Kollege Florian Eder, ein Mensch mit breiter Bildung und flinkem Geist, hat einen treffenden Begriff dafür geschöpft, was sich am Dienstagnachmittag Ortszeit im präsidentiellen Palast zu Ankara von Recep Tayyip Erdoğan zutrug. Sie wissen schon: Erdoğan und Charles Michel, Präsident des Europäischen Rates, auf offen gesagt ziemlich unschönen Stühlen mit crèmefarbener Polsterung und falschgoldenen Beinen, Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, rechterhand von Michel auf einer nicht minder geschmacklosen, schier endlos wirkenden Ottomane, vis-à-vis des türkischen Außenministers Mevlüt Çavuşoğlu.

Ein protokollarischer Affront, vor allem aber eine verheerendes Bild: die einzige Frau im Raum (und noch dazu eine politisch starke) physisch auf die Couch relegiert, perspektivisch zu den beiden Alpha-Männchen aufblickend. Diese Runde im Spiel der Bilder hat der Autokrat vom Bosporus gewonnen: statt darüber zu berichten, dass vom türkischen Wirtschaftswunder dank der erratischen und nepotistischen Führung Erdogans wenig übrig bleibt, dass er seine Opposition verfolgt, die Kurden und Frauen ihrer Rechte beraubt und sich generell zusehends wie seine eigene Karikatur des orientalischen Despoten benimmt, arbeitete sich das Brüsseler Pressekorps nach diesem verpatzten trilateralen Treffen daran ab, dass der ansonsten so soft und progressiv gebürstete Belgier Michel ein mieser Chauvi sei (im Pressebriefing der Kommission am Mittwoch verstieg sich eine italienische Kollegin vom „Espresso“ gar dazu, ihn „misogyn“ zu nennen).

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