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Corona

Präsenzunterricht im Osten ist für Lehrer "unlösbare Aufgabe"

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Wirbel um den jüngsten Plan des Bildungsressorts: Gleichzeitiger Schichtbetrieb und Fernunterricht ist laut den Lehrern nicht durchführbar. Faßmann verspricht Flexibilität.

Mit der Verlängerung des Lockdowns wurde in der Ostregion zwar die Umstellung auf Fernunterricht bis 16. April ausgedehnt. Das Bildungsministerium plant allerdings, dass ab Montag Schüler der Abschlussklassen und jene, die vor einem Schulwechsel stehen, trotzdem in die Klasse kommen können. Auch Schularbeiten und Förderunterricht sollen stattfinden. Von der Lehrervertretern kommt nun Widerstand, sie fordern die Rücknahme dieser Maßnahmen.

„Zeitgleich Präsenzunterricht, Distance Learning und Betreuung... Wie soll denn das funktionieren“, schreibt der oberste Lehrergewerkschafter Paul Kimberger auf Facebook. „Mit einer völlig praxisfernen Verordnung stellt das BMBWF unsere Schulen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland jetzt vor absolut unlösbare Aufgaben."

„Größte Verwirrung"

Der ständige Wechsel zwischen Distance Learning und Präsenzunterricht im Schicht- oder Vollbetrieb sorge nicht nur für "größte Verwirrung", heißt es in auch in einem Schreiben des Zentralausschusses der Wiener Pflichtschullehrer, das u.a. an Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP), Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS) gerichtet ist.

In der Sekundarstufe I (im Pflichtschulbereich vor allem Mittelschulen) sei es wegen des Fachlehrersystems auch gar nicht möglich, dass gleichzeitig Schichtbetrieb für die 8. Schulstufe und Fernunterricht für die 5. bis 7. Schulstufe sowie zusätzlich noch Betreuung in der Schule angeboten wird. Ähnliche Probleme gebe es auch an den Volksschulen bei Lehrern, die in mehreren Klassen eingesetzt werden.

Lockerungen unverständlich

Überhaupt seien Lockerungen beim Schulbetrieb zur gleichen Zeit, zu der Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres einen Lockdown für ganz Österreich fordert, unverständlich, heißt es in dem Schreiben. "Das konterkariert die aktuellen Maßnahmen gegen die Verbreitung der Covid-19-Mutationen in Ostösterreich."

Die Ankündigung der Bildungsdirektion am gestrigen Mittwoch, dass es trotz des strengen Lockdowns in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland ab Montag in bestimmten Situationen Schulbetrieb vor Ort geben soll, habe deshalb "für viel Wirbel gesorgt", wie der oberste Wiener Pflichtschullehrer-Personalvertreter Thomas Krebs (FCG) betont. Der Zentralausschuss fordert deshalb, dass die Ankündigungen für den Pflichtschulbereich vom Bildungsministerium nicht verordnet werden.

Auch die AHS-Lehrergewerkschaft hat sich am Donnerstag mit ähnlicher Kritik zu Wort gemeldet: „Die aktuellen Vorgaben sind praxisfern und unter dem gegebenen Zeitdruck nicht sinnvoll umsetzbar“, schrieb u.a. AHS-Gewerkschafter Herbert Weiß. Gerade in Zeiten des Lockdowns seien sie „im Sinne der Pandemiebewältigung fragwürdig“. Sie fordern die Politik daher auf, gemeinsam mit den Lehrern „sinnvolle Regelungen“ zu erarbeiten und bis dahin die derzeitge Regelung aufrecht zu halten.

Minister verspricht Flexibilität

Im Bildungsministerium hält man zwar an den angekündigten Plänen fest. Die Donnerstagmittag noch nicht vorliegende Verordnung soll allerdings den Schulen eine flexible Handhabung ermöglichen, falls an bestimmten Standorten durch das parallele Angebot von Präsenz- und Fernunterricht sowie Betreuung in der Praxis tatsächlich Probleme entstehen, betont eine Sprecherin.

So soll es etwa möglich sein, dass ein Lehrer in der betreffenden Schulwoche keinen Videounterricht abhält, sondern stattdessen ein Arbeitspaket austeilt, falls am Standort die Infrastruktur für seinen Online-Unterricht fehlen sollte.

Weniger als zehn Prozent betreut

Derzeit nehmen in Wien rund neun Prozent der Schüler die Betreuung in Anspruch, wie Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (Neos) am sagte: In der Primarstufe rund acht Prozent, in der Sekundarstufe 1,5 Prozent. In Niederösterreich sind es laut Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) durchschnittlich unter zehn Prozent: Rund 15 Prozent in der Volksschule, rund zwei Prozent in der Sekundarstufe eins.

(APA/red.)