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Morgenglosse

Wie hältst du’s mit den Schulen?

Girl wearing mask and schoolbag walking along building
Getty Images/Westend61
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Eine Gretchenfrage im übertragenen Sinn: Die persönliche Betroffenheit entzweit das Land in Gegner und Verfechter des Präsenzunterrichts.

Es gibt nicht viele Sätze, die sich Nachwuchsredakteurinnen am Beginn ihrer Laufbahn ins Notizbuch schreiben, wenn Kollegen ihr breites Wissen mit ihnen teilen. Audiatur et altera pars, auch die Gegenseite hören, lautet einer. Ein anderer besagt, dass „laut“ lediglich das Gegenteil von „leise“ sei und nicht als Präposition taugt („laut Bildungsministerium“ sollte demnach „dem Bildungsministerium zufolge“ heißen). Ein dritter, der ins Phrasenschwein so mancher abgehaltenen Lehrredaktion gehört, ist zudem jener: Journalismus ist Wiederholung.

Intensivkapazitäten, Impffortschritt, Infektionszahlen – das teuflische Trio in Dauerschleife bedingt seit einem Jahr, dass sich Rezipienten und Journalisten in einem Zyklus bereits durchgekauter Inhalte befinden, der beide Seiten zu ermüden scheint, jedoch immer wieder von Neuem beginnt. Unter allen sich wiederholenden Expertenmeinungen und Politikerforderungen sticht jedoch insbesondere die Schule als jenes Themenfeld heraus, dessen Wiederholungs-Intervalle am kürzesten scheinen. Wie auf das Amen im Gebet lässt sich am Ende (oder Anfang, weil ohnehin nicht mehr zu unterscheiden) jedes Lockdowns auf den emotionalen Streit warten, der quer durch die Meinungsmacher verläuft. Die Demarkationslinie ist zumeist, ob man selbst Schulkinder hat oder nicht. So heißt es dann einerseits: Öffnet die Schulen! Kinder sind keine Infektionstreiber! Und andererseits: Sperrt die Schulen zu! Die „Nasenbohrer“-Tests bringen nix!

Angesichts einer in genau sechs Wochen startenden Matura nimmt die Debatte aktuell wieder Tempo auf. Auf Twitter greift sie dabei ebenfalls um sich. Hatten sich dort noch im Herbst ein türkiser Bildungsminister, eine pinke Parteichefin und ein roter Gesundheitsstadtrat gegen den schulskeptischen Bundeskanzler gestellt, liefern sich neuerdings Stadtzeitungs- und Boulevard-Redakteurinnen einen gegenseitigen Schlagabtausch.

Frei von jeglicher Betroffenheit steht inzwischen fest, dass jede Idee zu begrüßen ist, die es erlaubt, Schüler in die Schulklassen zurückzuholen. Angesichts voller Intensivbetten ist allerdings zu bezweifeln, dass es derzeit eine solche Idee tatsächlich gibt. Den riskanten Vorschlag Heinz Faßmanns, die Abschlussklassen schon am Montag wieder in den Präsenzunterricht zu holen, schimpft die Lehrergewerkschaft zusätzlich als „praxisfern“ – tatsächlich ist das an vielen Standorten wegen schlechter digitaler Ausstattung kaum umsetzbar. Ein weiterer Umstand, der sich seit einem Jahr andauernd zu wiederholen scheint. Der sich allerdings lägst ein endgültiges Ende verdient hätte.