Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Zoologie

Warum sich Gorillas auf die Brust klopfen

Einer der Berggorillas in Ruanda, die in der Studie erforscht wurden.
Einer der Berggorillas in Ruanda, die in der Studie erforscht wurden.APA/AFP/Dian Fossey Gorilla Fund (JORDI GALBANY)
  • Drucken

Männliche Gorillas schlagen sich laut und schnell an die Brust. Nun haben Forscher den Grund des merkwürdigen Trommelns geklärt.

Wer noch nie im Urwald war, hat es vielleicht im Zoo erlebt: Männliche Berggorillas schlagen sich mit beiden Händen frenetisch an die Brust, womit sie ein hohles, aber kräftiges Geräusch erzeugen, ähnlich wie auf einer Trommel. Schlichtes Imponiergehabe kann das nicht sein, denn sie trommeln meist dann, wenn ihnen niemand zuschaut. Teilen sie so ihren Artgenossen etwas mit, wenn sie im Dickicht des tropischen Regenwaldes selbst aus der Nähe nicht zu sehen sind?

Das hat man schon länger vermutet. Nun konnte ein Team um Edward Wright vom Max-Plank-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig diese Hypothese deutlich erhärten (Nature, 8.4.). Die Forscher studierten frei lebende Gorillas in einem Nationalpark in Ruanda. Sie maßen über Fotos die Rückenbreite der Tiere, die indirekt ihre Körpergröße anzeigt. Dann nahmen sie das Klopfen von sechs Tieren auf und analysierten die Tonfrequenz, die Zahl der Schläge und das Tempo der Abfolge. Es zeigte sich: Je größer der Gorilla ist, desto tiefer sind die Töne, die er durch das Klopfen erzeugt.

Das Geräusch ist also ein „ehrliches“ Signal, das diese Menschenaffen nicht zum Zwecke der Täuschung manipulieren können. Es informiert andere Männchen, ob sie eine Konfrontation wagen können oder besser auf Distanz gehen. Und Weibchen darüber, wie attraktiv der Trommler als Vater ihrer Kinder wäre. Wenn die Weibchen brünstig sind, klopfen die Männchen mehr – es dürfte also auch ein Balzverhalten sein. Schon Kinder klopfen sich an die Brust, um diese Form der Kommunikation einzuüben. Keine Korrelation mit der Körpergröße ließ sich bei den zeitlichen Variablen nachweisen. Die Autoren vermuten, dass sie der Identifikation dienen. Denn die einzelnen Gorillas trommeln unterschiedlich schnell und oft hintereinander.


[RD1J4]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.04.2021)