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Neuer Lufthansa-Chef: Kronprinz mit spitzem Rotstift

Christoph Franz
Christoph Franz(c) AP (Frank Augstein)
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Christoph Franz wurde am Mittwoch zum Nachfolger von Wolfgang Mayrhuber als Lufthansa-Chef gekürt - ein Kultur-Clash kündigt sich an. Denn wo Mayrhuber jovial und locker wirkt, scheint Franz korrekt und preußisch.

Frankfurt (eid/ag). Wie es ist, wenn man als Kronprinz in Ungnade fällt, weiß er genau. Als Christoph Franz 2003 als Vorstand der Deutschen Bahn ein modernes flexibles Preissystem ähnlich dem in der Luftfahrt durchsetzen wollte, scheiterte er - und wurde gefeuert. Den zweiten Versuch als Kronprinz - diesmal bei der Lufthansa - hat der 50-jährige Wirtschaftsingenieur deutlich besser gemeistert. Mit der Sanierung der Lufthansa-Tochter Swiss hat sich Franz für höhere Weihen empfohlen - und die bekam er am Mittwoch: Der Lufthansa-Aufsichtsrat kürte ihn zum künftigen Boss der deutschen Fluglinie.

Für den Vater von fünf Kindern, der in der Schweiz das Bergsteigen und Skifahren lieben lernte, war das Engagement als Lufthansa-Vorstand und Stellvertreter von Wolfgang Mayrhuber vor einem Jahr eine Art Rückkehr. Franz heuerte nach dem Studium in Darmstadt, Lyon und Berkeley als Trainee bei der Airline an. Zum Unterschied von seinem Mentor Mayrhuber, dessen Vertrag zu Jahresende ausläuft, und anderen Managern, die ihre gesamte Karriere beim „Kranich" machten, kündigte Franz - und ging zur Bahn.

Zu teuer, zu bürokratisch

Deshalb gilt Franz auch nicht als typischer Lufthanseat - was ihm bei der Belegschaft nicht nur die Herzen öffnete. Andererseits ist es genau diese Außensicht, die Franz für einen der heißesten Jobs in der deutschen Wirtschaft geeignet macht. Schon wenige Wochen, nachdem er als Vorstand die Verantwortung für das Kerngeschäft Passage übernommen hatte, kam seine beinharte Analyse, die die Basis für das Sparprogramm „Climb 2011" bildete, das eine Mrd. Euro bringen soll. Zu bürokratisch, zu unbeweglich, zu teuer - so lautete Franz' Urteil, das nicht gerade ein Lob für Mayrhuber darstellte, der bisher die Passage „nebenbei" verantwortete.

Hier der joviale Österreicher Mayrhuber, der auch in der größten Krise noch für einen Schmäh zu haben war. Da der korrekte, preußisch wirkende Franz, dem Weggefährten auch radikale Lösungen zutrauen. Wie sagte Franz doch, als er auf die Swiss angesprochen wurde? „Keiner macht gern eine Operation am offenen Herzen, aber wenn es nun mal sein muss, bringt es an der Peripherie nichts."

Der Wechsel an der Spitze von Europas größter Fluggesellschaft ist damit nicht nur eine lang geplante Personalrochade. Vielmehr geht es um das Geschäftsmodell und um die Strategie der Zukunft.
Bis Franz die Lufthansa-Gruppe auf die Profitabilität der Swiss getrimmt hat, muss er jedenfalls noch etliche Hürden meistern. Da sind nicht nur die neuen Töchter AUA und British Midland (BMI), die hohe Verluste schreiben. Da ist die Langstrecke, die zwar profitabel ist, auf der jedoch Mitbewerber wie die Emirates den Deutschen das Leben schwer machen. Noch gravierender sind die Probleme im defizitären Europaverkehr. Air Berlin, Ryanair und Easyjet setzen der Lufthansa heftig zu. Außerdem hat sich die „Lufthansa Italia" als stumpfe Waffe gegen die von Air France/KLM aufgefangene Alitalia entpuppt.

Kampf mit der Gewerkschaft

Franz muss nicht nur entscheiden, ob er den Expansionskurs Mayrhubers fortführt, der die Krise für Zukäufe nutzte. Am Silbertablett bieten sich SAS und LOT an. Der Mann, der schon jetzt für seinen spitzen Bleistift berühmt ist, muss auch ein Rezept gegen die Billig-Airlines finden. Er muss auch einen Weg mit den Gewerkschaften finden, die bei tiefen Schnitten lauf aufschreien werden.
Seinem Nachfolger in der Sparte Passage, Carsten Spohr, der übrigens schon als Kronprinz von Franz gehandelt wird, hat er jedenfalls die Latte mit einer Rendite von acht Prozent hoch gelegt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23. September 2010)