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Die neue Geißel der Dritten Welt: Krebs

(c) EPA (ROLAND SCHLAGER)
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Konferenz der Atomenergiebehörde IAEA zum Thema Krebsbekämpfung in Entwicklungsländern. Mediziner und Gesundheitsminister aus 62 Staaten nahmen bei dem Treffen der Atomenergiebehörde in Wien teil.

Wien (nor). Wer in einem Entwicklungsland stirbt, tut dies meist wegen Infektionen, Gewalt oder Hunger – so ist zumindest die Auffassung im reichen Norden. Tatsächlich greift in Entwicklungsländern ein Krankheitskomplex um sich, den man bisher eher den Industriestaaten zugeordnet hat: Krebs. Darüber berieten in den vergangenen Tagen Mediziner und Gesundheitsminister aus 62 Staaten bei einem Treffen der Atomenergiebehörde IAEA in Wien, um neue Wege für die Krebsbekämpfung in Entwicklungsländern zu finden.

Lesotho etwa sei „ein kleines Land in Afrika, das niemand kennt“, sagt Titi Mohapi, Gesundheitsministerin des Zwei-Millionen-Landes in Südafrika. Aber Krebs sei hier massiv auf dem Vormarsch, man unterschätze im Norden die Verbreitung von Tumorerkrankungen in Entwicklungsländern. Krebs werde oft als „westliche Krankheit“ verstanden. Man werde es vielleicht bald geschafft haben, Infektionskrankheiten wie Malaria und Tuberkulose in Entwicklungsländern unter Kontrolle zu bringen: Aber jetzt müsse auch in Krebsvorbeugung und -therapie in Entwicklungsländern investiert werden.

 

Rauchen und Abgase

Noch vor fünf Jahren stand Krebs in Entwicklungsländern nur für etwa sechs Prozent aller individueller Todesursachen, in reichen Staaten für etwa ein Viertel. Seither hat sich der Anteil der Krebstoten in Entwicklungsländern jenem im Norden stark angenähert – Gründe sind vor allem Rauchen und Einatmen von Abgasen. 2008 gab es weltweit etwa sieben Millionen Krebstote.

Insgesamt, so besagen Studien der IAEA, könnten Tumore heute schon der größte globale Killer sein. An Krebs würden heute schon mehr Menschen sterben als an Aids, Malaria und Tuberkulose zusammen. Die WHO weist verstärkt auf die steigende Häufigkeit von Lungen- und Brustkrebs hin.

Rund 55Prozent der Krebstodesfälle entfallen bereits auf Länder mit großer Armut – allerdings erhalten laut IAEA nur 20 Prozent der Krebskranken in Entwicklungsländern die nötigen Therapien, etwa durch Bestrahlung. Wichtig sei aber auch die Früherkennung, sagte Joe Harford vom „National Cancer Institute“ der USA, und dazu müssten nicht nur Ärzte, sondern auch alle Menschen ein Wissen über frühe Symptome von Krebsleiden sowie Wege zur Vorbeugung besitzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.09.2010)