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Medientage: Geklonter Journalismus versus Qualität

(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
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Frank Schirrmacher glaubt, dass die vielfältigen Angebote von Facebook, Twitter oder Google die Köpfe der Journalisten überladen würde. Am Mittwoch war der "FAZ"-Herausgeber Gast bei den Österreichischen Medientagen.

Im Grunde war klar, was Frank Schirrmacher, Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, den österreichischen Medienmachern erzählen würde. Spätestens seit seiner kulturpessimistischen Anklage des World Wide Web in seinem Buch „Payback“ ist bekannt, dass Schirrmacher den Zustand der digitalen Gegenwart eher verdammt denn lobt.

Er glaubt, dass die vielfältigen Angebote von Facebook, Twitter oder Google die Köpfe der Journalisten (und nicht nur die) überladen würde. Am Mittwoch war Schirrmacher auf Einladung des Verbands österreichischer Zeitungen Gast bei den Österreichischen Medientagen in der Wiener Stadthalle. Sprach also just dort, wo tags zuvor der Google-Manager Jürgen Galler von neuen Entwicklungen im Bereich des mobilen Internets berichtete. Der Entwicklungschef von Google Europa sieht die Zukunft der Medien im Mobilfunk. Schon heute würden mehr Smartphones als PCs verkauft. Zudem ist er sich sicher, dass es zu einer weiteren „Content-Explosion“ im Internet kommen werde.

Noch mehr Inhalte, noch mehr Kanäle – was Schirrmacher wohl dazu sagt? In seinem Wiener Vortrag meinte er jedenfalls: „Wir haben es immer mehr mit einem geklonten Journalismus zu tun.“ Die gleiche Nachricht und die gleiche Einschätzung lasse sich unzählige Male auf vielen digitalen Kanälen wiederfinden. Allerdings sieht Schirrmacher in diesem Überangebot an gleichen Inhalten auch eine ganz entscheidende Chance für Qualitätsjournalismus. Wenn er gut gemacht ist, habe er „eine große Zukunft vor sich“.

Nicht viel optimistischer als der deutsche Gast zeigten sich Vertreter der österreichischen Medienbranche bei der Diskussion zum Thema „Reichweite versus Qualität“. Die Qualität bedroht sieht etwa Christian Pöttler vom Echo Medienhaus nicht mehr von der Politik, „sondern durch den immer größeren Druck durch das Anzeigengeschäft“. „Standard“-Geschäftsführer Wolfgang Bergmann glaubt, dass Qualität von vielen in der Gesellschaft gar nicht mehr gewollt werde. Auch die Wiener ORF-Landesdirektorin Brigitte Wolf bestätigt den Spardruck, sieht den ORF aber in einer weniger starken Abhängigkeit von der Werbewirtschaft.

APA/awa

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.09.2010)