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Ehrentag der Pflanze

Wie viel Tier steckt in unserer Kosmetik?

Kosmetik durchs Makro-Objektiv, die Inhalte bleiben unsichtbar
Kosmetik durchs Makro-Objektiv, die Inhalte bleiben unsichtbar(c) Getty (Miles Willis)
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Von Fischschuppen und Laussekreten. Dem Ehrentag der Pflanze nähern wir uns hier durchs Badezimmer, wo wir die Palette konventioneller Kosmetik unter die Lupe nehmen.

Der 13. April steht mit dem Internationalen Ehrentag der Pflanze ganz im Zeichen der Flora. Wir nähern uns ihm heuer aus einer anderen Perspektive, wir kommen nicht durch den Garten, sondern durch das Badezimmer. Denn in unseren Tiegeln und Töpfchen stecken oft weniger Pflanzen und mehr Schlachtabfälle als man glauben möchte. Im Anschluss streifen wir durch einige bekannte Wirkstoffe aus der konventionellen, aber auch aus der Natur-Kosmetik. Denn auch wenn eine Hautcreme nur auf natürliche Wirkstoffe zurückgreift, darf man nicht davon ausgehen, dass es sich dabei um pflanzliche Zutaten handelt. 

Amber. Das Gold des Meeres? Amber ist ein Stoff, der ursprünglich im Verdauungstrakt von Pottwalen entsteht, erbrochen oder ausgeschieden aus dem Meer gefischt wird. Das passiert mittlerweile nur noch selten. Die Parfümindustrie verwendet dazu meist die synthetische Nachahmung Ambroxan. Enthält ein Duft allerdings Ambre Gris, sprühen Sie sich tatsächlich ein tierisches Ausscheidungssekret an den Hals.

Bienenwachs: Am Hinterleib der Arbeiterbienen befinden sich die Wachsdrüsen, in denen der Rohstoff für ihren Wabenbau, aber auch für unsere Lippenstifte und Cremen entsteht. Pflanzliche Alternativen sind Carnauba- oder Candelillawachs sowie Öle von Avocados und Kokosnüssen.

Cochenille (E120): Der Stoff, der aus der befruchteten weiblichen Schildlaus kommt, verleiht dekorativer Kosmetik ihren Rotton. Für die Herstellung werden die Läuse eingesammelt und ausgekocht. Pflanzliche Alternativen sind z. B. Rote Rübe und Himbeeren. Der künstliche hergestellte Farbstoff Cochenillerot A kann für Personen, die auf Acetylsalicylsäure (Aspirin) oder Benzoesäure (E 210) reagieren, allergieauslösend wirken.

Chitin/Chitosan: Beide Stoffe kommen in der Natur in den Panzern und Schalen von Krebstieren und Insekten vor. In der Kosmetik, beispielsweise in Haarfestigern, bilden sie beim Auftragen einen Film um das Haar. Alternativen wären Johannisbrotkernmehl, Agar-Agar oder Xanthan.

Elastin: Dieses Faserprotein sorgt u.a. für die  Dehnungsfähigkeit großer Blutgefäße von Wirbeltieren. Der Mensch verspricht sich eine glättende Wirkung davon.

Fibrostimulin K. Dieser Stoff soll die Haut ebenfalls straffen und Falten vorbeugen, allerdings wird er, wie die Tierrechtsorganisation PETA kritisiert, aus Kälberblut hergestellt. Die Alternative Fibrostimulin P wird aus Erdäpfeln gewonnen.

Gelatine. Ebenfalls nicht ganz appetitlich ist die Herstellung von Gelatine, wie wir wissen, weil sie auch in Lebensmitteln steckt. Gelatine kommt jedenfalls auch als bindende Zutat in Kosmetik zum Einsatz. Sie wird aus kollagenhaltigen Schlachtabfällen, durch das Auskochen von Häuten und Knochen, gewonnen. Alternativen sind Johannisbrotkernmehl oder Agar-Agar.

Glycerin (E422). Glycerin ist ein Alkohol, das in Kosmetik eingesetzt wird, um ihre eigene Feuchtigkeit zu binden (damit z.B. der Cremetigel nicht austrocknet) und mithilfe seiner wasserbindenden Eigenschaften die Elastizität der Haut zu stärken. Wird Glycerin nicht aus tierischen Fetten gewonnen, stammt es oft aus Kokosöl, allerdings auch aus Erd- oder Palmöl. In höherer Konzentration trocknet Glycerin die Haut übrigens aus. Bei der Herstellung ist laut „codecheck.info" der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen möglich.

Guanin (CI 75170). Dabei handelt es sich um zerstoßene Fischschuppen, die dafür sorgen, dass der Lidschatten schimmert.  

Hyaluronsäure. Sie durchfeuchtet die Haut, polstert sie dadurch auf oder verringert die elektrostatische Aufladungen von Haaren. Früher wurde Hyaluronsäure ausschließlich aus tierischen Produkten, wie z.B. Hahnenkämmen, gewonnen. Heutzutage kommt sie in den meisten Fällen aus dem Labor. Ob es sich um tierisches Hyaluron handelt, verrät manchmal der günstige Preis eines Produkts.

Lanolin. Das als Wollwachs bekannte Fett wird aus den Talgdrüsen von Schafen gewonnen. In Cremen und Lotionen kommt es als feuchtigkeitsspendender Basis-Emulgator zum Einsatz. Lanolinhaltige Produkte bilden einen Fettfilm, der trockene Haut pflegt. Wer zu fetter, unreiner Haut neigt, sollte besser einen Bogen um den Wirkstoff machen. 

Schellack (E904). Die harzige Substanz in den Ausscheidungen der weiblichen Gummilackschildläuse (Kerria lacca) wird u.a. als Glanzmittel in Haar- und Nagellacken verwendet. Für ein Kilogramm des Lacks ist das Sekret von etwa 300.000 Lackschildläusen nötig. Alternativen sind pflanzliche Wachse. Bekannt ist Schellack vor allem deshalb, weil aus ihm die ersten Schallplatten gefertigt wurden.

Zibet: Zibetkatzen kennt man nicht nur als Kaffeeproduzenten (zur Erinnerung, die Schleichkatzenart frisst die Kaffeefrucht und scheidet fermentierte Bohnen wieder aus, was manchem Kaffeetrinker ein teures Vergnügen ist), das Sekret aus ihren Drüsen wird auch in der Parfümherstellung verwendet. Als Alternative gilt Labdanumöl aus Zistrosen.