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Tourismus

Eine neue Österreich-Werbung-Chefin mit „Blick von außen“

NEUE OeSTERREICH WERBUNG (OeW) GESCHAeFTSFUeHRUNG: WEDDIG
Lisa Weddig bei ihrer Vorstellung in der Spanischen Hofreitschule.APA/HERBERT NEUBAUER
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Die frühere TUI-Managerin Lisa Weddig wird neue Chefin der Österreich Werbung. Kein leichter Job nach Ischgl-Gate, Dauer-Lockdown und kaum Aussicht auf internationale Gäste.

„Gestärkt aus der Krise – Strategie für die Zukunft der Touristik“ lautet der Titel einer Vorlesung an der Hochschule München. Vortragende ist Lisa Weddig. Die frühere Topmanagerin bei TUI wird sich mit ihrem Seminarthema bald noch intensiver auseinandersetzen dürfen. Nicht mit Studenten. Am Dienstag wurde sie als neue Chefin der Österreich Werbung vorgestellt. Nach zwölf Jahren im TUI-Management, zuletzt als Chefin in Österreich, wäre der Wechsel vom größten Tourismuskonzern Europas in die Österreich Werbung wohl ein vergleichsweise angenehmer. Etwas für die Work-Life-Balance. Doch Weddig übernimmt die Funktion in der schwersten Krise des Tourismus.

Die 37-jährige in Göttingen geborene Managerin wurde ausgerechnet in der Spanischen Hofreitschule der Öffentlichkeit vorgestellt. Ein Symbol für Tradition, aber auch für verstaubte Klischees und Massentourismus. „Ein Blick von außen wird der Österreich Werbung gut tun“, sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). „Eine Deutsche an der Spitze der Österreich Werbung“ sagt Weddig schmunzelnd und betont schnell, dass sie seit fünf Jahren in Österreich lebt.

 

„Der Tourismus nach Covid-19“: Darüber diskutieren am „Super Tuesday“ der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft ab 18.30 Uhr Ulrike Rauch-Keschmann (Tourismusministerium), Matthias Winkler (Hotel Sacher), Ludwig Richard (Dr. Richard), Michael Gigl (Österreich Werbung) und Lukas Crepaz (Salzburger Festspiele).

 

„Eine Deutsche an der Spitze der Österreich Werbung"

Nicht nur ihre Nationalität unterscheidet Weddig von ihren Vorgängerinnen und Vorgängern in der Österreich Werbung. Diese wurden nämlich ausnahmslos in Ministerien, Landesregierungen und Interessenvertretungen sozialisiert. Sie waren parteipolitisch klar zuordenbar und dementsprechend auch kompatibel.

Weddig werkte zwölf Jahre für den deutschen TUI-Konzern, sammelte Erfahrungen bei Unternehmens-Töchtern in Australien, hatte als Managerin von Robinson Club die Verantwortung über elf Länder und war zuletzt eben CEO von TUI Österreich. Die Niederlassung beschäftigt 650 Mitarbeiter und setzte (vor der Krise) 700 Millionen Euro um. Im Herbst 2019 verließ sie überraschend den Konzern. Aus heutiger Sicht war das wohl kein schlechtes Timing. Monate später legte die Corona-Krise den globalen Tourismus lahm.

Exponierte Länder wie Österreich trifft die Pandemie besonders hart. 700.000 Jobs hängen am Tourismus und an der Freizeitwirtschaft, fast 15 Prozent der Wirtschaftsleistung werden in dieser Branche erbracht. „Noch nie ist uns so bewusst geworden, wie wichtig der Tourismus für Österreich ist“, sagt Ministerin Elisabeth Köstinger.

Over-Tourism und Klimawandel sorgten für Kritik

Die Pandemie macht aber nicht nur die volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus sichtbar, sie offenbart auch die strukturellen Probleme. Nach wie vor wird der Tourismus in Österreich zweigeteilt, in eine Sommer- und Wintersaison. Zwei Hälften einer Zitrone quasi, die nach besten Kräften ausgedrückt werden. Overtourism und Auswirkungen auf Umwelt und Klima sorgten für steigendes Misstrauen in der Bevölkerung. Fast als Bestätigung dieser Ressentiments kam es schließlich zu den Vorfällen im Tiroler Wintersportort Ischgl. Wer heute Ischgl googelt bekommt auf „Wikipedia“ als ersten Satz serviert: „Im März 2020 ging von Ischgl die Covid-19-Pandemie in Europa aus.“

Weddig wird eine Tourismusbranche vorfinden, die sich viele Jahre zu wenig um den heimischen Gast geschert hat, sich nun aber – mangels ausländischer Touristen – genau um diesen prügelt. „Mein Ziel ist es, einen der schnellsten Re-Starts in Europa hinzulegen“, sagt sie. Sie wolle die „Präsenz Österreichs“ international ausbauen und auf Digitalisierung setzen. Auch ein spannendes Thema im heimischen Tourismus. Die Hassliebe zu internationalen Online-Plattformen gehört zum Tourismus wie die Lipizzaner zur Österreich Werbung.

Die neue Chefin der Österreich Werbung darf also einen schweren Rucksack mit Altlasten schultern, wenn sie am 1. Juni ihren neuen Job antritt. Wird wohl nichts mit Work-Life-Balance.