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Filmgeschichte

Das ewige Leben der europäischen Filmzensur

Ken Russells Nonnenspuk "The Devils" (1971) zog den Zorn britischer Zensoren auf sich.(c) Russo Productions
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Italien hat seine Filmzensur abgeschafft – nach über 100 Jahren. Im Grunde ein reiner Formalakt, doch die Beständigkeit des Gesetzes erinnert an den hartnäckigen Einfluss der Moralpolizei auf das europäische Kino.

Filme werden aus dem Verkehr gezogen, Kopien vernichtet. Regisseure müssen sich vor der Justiz verantworten. Schauspieler werden der „Unzucht“ bezichtigt und mit Bewährungsstrafen bedacht. Der „Spiegel“ zeigt sich alarmiert: „Innerhalb von zwei Tagen wurden drei Lichtspiele beschlagnahmt!“ Geht es um eine Kampagne gegen die Freiheit der Kunst, orchestriert von einem totalitären Regime? Mitnichten: Schauplatz der im „Spiegel“-Text skizzierten „Zensur-Welle“ ist das demokratische Italien der 1970er.

In puncto Film denkt man beim bösen Z-Wort heute eher an die üblichen Verdächtigen: Länder wie China, Russland, Indien und den Iran, in denen staatliche Kulturbeschneidungen mehr oder weniger stark institutionalisiert sind. Doch kürzlich erinnerte eine kuriose Meldung daran, dass behördliche Filmverhinderung vor nicht allzu langer Zeit auch im Westen zur Debatte stand: Das kunstbezogene „Kontroll- und Interventionssystem“ des italienischen Staats, verkündete Kulturminister Dario Franceschini am 5. April, sei nun „endgültig“ Geschichte.