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Zukauf

Stefan Pierer wird größter Leoni-Aktionär

Mit einem Anteil von 15 Prozent am deutschen Autozulieferer Leoni wird KTM-Chef Stefan Pierer zum bedeutendsten Ankeraktionär. Leoni befindet sich mitten im Umbau.

Im Ranking der reichsten Menschen der Welt landet er zwar „nur“ auf Platz 2263. Sein Vermögen von 1,3 Mrd. Dollar erlaubt es KTM-Chef Stefan Pierer aber dennoch, in Deutschland zuzukaufen. Wie bekannt wurde, hat der oberösterreichische Motorradhersteller Pierer Industrie AG seine Beteiligung am angeschlagenen deutschen Autozulieferer Leoni aufgestockt. Die Erhöhung des Anteils von zehn auf mehr als 15 Prozent und die Stärkung der Position als Ankeraktionär sollen Unterstützung für die eingeschlagene Unternehmensstrategie der Franken signalisieren, teilte der neue alte Anteilseigner Montagabend mit.

 

Pierer gehört die Mehrheit am Motorradhersteller Pierer Mobility (KTM) und am Rennsportzulieferer Pankl Racing. Die Nachrichten verschafften dem im Nebenwerteindex SDax notierten Wert Auftrieb. Das Leoni-Papier legte im Tagesverlauf um über zwölf Prozent zu.

Seit zwei Jahren Verluste

Leoni will sich von der kleineren Draht- und Kabelsparte trennen und sich auf die zwar größere, zuletzt aber klar defizitäre Bordnetzsparte konzentrieren. Der Konzern befindet sich mitten in einer Restrukturierungsphase. Leoni-Chef Aldo Kamper sieht das Unternehmen aber auf einem guten Weg aus der Krise. Dennoch wird es der Zulieferer laut eigenen Angaben in diesem Jahr nicht schaffen, aus den roten Zahlen zu kommen. Leoni fuhr im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Nettoverlust von 330 Mio. Euro ein. 2019 belief sich das Minus auf 435 Mio. Euro. Ein Sanierungsprogramm soll ab 2022 Einsparungen in der Höhe von 550 Mio. Euro bringen.

Pierer fordert nun vom Leoni-Vorstand noch mehr Tempo beim Umbau. „Der Vorstand beginnt richtigerweise, die Teile, die nicht zum Kerngeschäft gehören, in einen professionellen M&A-Prozess zu überführen,” sagte Pierer im Interview mit Bloomberg. „Die Industriekabelsparte ist derzeit in Ausschreibung. Leoni ist riesengroß geworden und zu wenig fokussiert, und da sind viele Teile, die man in der Zukunft nicht braucht und die vielleicht andere besser benötigen. So kann man eine verkleinerte, schlagkräftige Unternehmung formen.” Leoni schreibt seit zwei Jahren Verluste und hat erfolglos versucht, die Kabelsparte WCS als Ganzes zu verkaufen. Stattdessen sollen nun einzelne Teile veräußert werden.

Derweil stellen die Elektrifizierung des Antriebs und die Digitalisierung die Automobilbranche auf den Kopf. Das Abflauen der Pandemie dürfte der Branche wieder Rückenwind verschaffen, woraus sich für Leonis Geschäft mit Bordnetzen große Chancen ergeben.

Die bislang vom Vorstandsteam um Aldo Kamper zur Disposition gestellten Bereiche machten etwa ein Drittel des Geschäftes aus, so Pierer, der sich nicht festlegen wollte, ob das ausreichen wird. Grundsätzlich unterstütze er die Strategie von Vorstand Kamper, auch wenn möglicherweise nachgeschärft werden müsse.

Erst im heurigen Februar hatte Pierer seine Anteile an Leoni von fünf auf zehn Prozent aufgestockt und kurze Zeit später mitgeteilt, er plane bei Leoni künftig eine „aktive Rolle“ als Großaktionär einzunehmen. Weitere Aktienzukäufe schloss er damals ebenfalls nicht aus. Nun sei seine Beteiligung in einer Größenordnung, „bei der man sicher mit dem Vorstand konstruktive Dinge bewegen kann“, so Pierer.(Bloomberg/Reuters/nst)


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2021)