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"Gold mutiert von Rohstoff zu sicherer Währung"

(c) AP (Anonymous)

Die Notenbanken befeuern mit ihrer Geldpolitik die Goldpreis-Rally. Ein Ende ist nicht in Sicht, sagt ein Experte. Im Gegenteil: Er rechnet im Jahr 2012 mit einem Goldpreis von 1600 Dollar.

Die pessimistische Aussagen der US-Notenbank Fed haben den Goldpreis am Mittwoch auf neue Rekordstände knapp unter 1300 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) getrieben. Das Edelmetall erreichte am Spotmarkt laut "Financial Times Deutschland" den neuen Rekordwert von 1296,30 Dollar je Feinunze. Ein Ende der Gold-Rally ist nicht in Sicht, zumal die Fed ein erneutes Anwerfen der Geldpresse in den Raum gestellt hat. Doch auch die Europäische Zentralbank (EZB) gießt laut "Handelsblatt" Öl ins Feuer. "Die Europäische Zentralbank kauft nun auch portugiesische Anleihen", sagt Goldmoney-Gründer James Turk. Sein Schluss aus der Vorgehensweise der Notenbanken: "Das bedeutet Inflation, und damit gibt es keine sichere Währung mehr".

2012: Goldpreis von 1600 Dollar möglich

Am Markt werde zunehmend mit weiteren heftigen Käufen von Staatsanleihen durch die US-Notenbank gerechnet, sagt Rainer Sartoris, Devisenexperte vom Bankhaus HSBC Trinkaus. Die Fed hatte am Dienstagabend betont, sie stehe nötigenfalls für eine zusätzliche Stützung zur Verfügung, um die wirtschaftliche Erholung zu fördern. Eine weitere Lockerung der Geldpolitik würde aber auch heißen, dass die US-Notenbank die Lage der Wirtschaft düster einschätzt.

"Wenn eine Zentralbank Staatsanleihen kauft, drückt dies meist die eigene Währung", zitiert "Welt Online" UniCredit-Rohstoffanalyst Jochen Hitzfeld: "Investoren arbeiten weiter daran, sich Goldbestände zuzulegen". Hitzfeld rechnet bis Jahresende mit einem Goldpreis von 1350 Dollar. Für 2011 sagt er einen Jahresschnitt von 1400 Dollar voraus, für 2012 hält er 1600 Dollar für möglich. "Würde nur ein Prozent der weltweit in Aktien und Anleihen gehaltenen Investitionen in Gold umgelenkt, so entspräche dies bei den aktuellen Preisen einem Volumen von 36.000 Tonnen. Das entspricht den gesamten bisher bekannten Reserven", so Hitzfeld.

Flucht in Gold

Viele Investoren treten daher die Flucht in Gold an, obwohl sich die Fundamentaldaten nicht bedeutend verändert haben. Zudem hat Europa nach mit Portugal ein weiteres Sorgenkind. "Portugal wird angesteckt, weil es Parallelen gibt - hoher Schuldenstand, eine starke Abhängigkeit der Banken vom EZB-Geld und die Notwendigkeit zu weiteren Sparanstrengungen, um das Defizit in den Griff zu bekommen", sagt Giada Giani von der Citigroup in London.

Hinzu kommt, dass die Minenproduktion ständig sinkt, während die Nachfrage der Investoren gleichzeitig explodiert. Allein im ersten Halbjahr 2010 haben Anleger mehr als doppelt so viel Goldfonds, Münzen und Barren geordert wie im Vorjahr, schreibt "Handelsblatt". "Gold mutiert in der Wahrnehmung von einem Rohstoff zu einem Investment und zu einer sicheren Währung", urteilt Commerzbank-Rohstoffexperte Eugen Weinberg der Zeitung zufolge.

(APA/phu)