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Coronapandemie

Dänemark stellt Impfungen mit AstraZeneca dauerhaft ein

Archivbild aus einer Impfstraße in Kopenhagen: Der Impfstoff von AstraZenca bleibt künftig in den Kühllagern.
Archivbild aus einer Impfstraße in Kopenhagen: Der Impfstoff von AstraZenca bleibt künftig in den Kühllagern.via REUTERS
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Die Vakzine von Johnson & Johnson wird vorübergehend ebenfalls nicht verabreicht. Die EMA ist vom Nutzen des Impfstoffs überzeugt und kündigt eine Stellungnahme für nächste Woche an. Frankreich will beide Vakzine weiterhin einsetzen.

Dänemark wird als erstes Land den Corona-Impfstoff von AstraZeneca gar nicht mehr verwenden. Das Impfprogramm werde ohne das Mittel fortgeführt, teilte die dänische Gesundheitsbehörde am Mittwoch mit. Zuerst hatte der Sender TV 2 von entsprechenden Plänen berichtet. Damit dürfte sich der Impfplan um einige Wochen verzögern. Dänemark schloss nicht aus, das Vakzin zu einem späteren Zeitpunkt wieder einzusetzen.

Hintergrund sind Berichte über einen etwaigen Zusammenhang zwischen dem Mittel und sehr seltenen Thrombosen. Dänemark hatte im März als erstes Land die Verwendung von AstraZeneca ausgesetzt. Dort wird gegenwärtig auch nicht mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft, ebenfalls wegen Berichte über ein Auftreten von seltenen Thrombosen auch bei diesem Mittel. In den USA kam es bei 6,8 Millionen Impfungen mit Johnson & Johnson zu sechs Sinusthrombosen, weshalb die nationalen Behörden dort eine Untersuchung einleiten.

Im EU-Vergleich zählt Dänemark zu den Ländern, die prozentual bisher den größten Bevölkerungsanteil gegen Covid-19 geimpft haben. Knapp 870.000 Däninnen und Dänen haben bisher ihre erste Impfung erhalten, rund 445.000 auch ihre zweite. Das entspricht einem Anteil an der Bevölkerung von 14,9 beziehungsweise 7,6 Prozent.

An einem großen Impftag am vergangenen Montag - geplant waren 100.000 Impfungen an diesem Tag - wurden bereits nur die Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna verabreicht: Dänemark hatte den Einsatz des Präparats von AstraZeneca wegen seltener Fälle von Blutgerinnseln im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen Mitte März ausgesetzt und anders als Deutschland und weitere Länder bisher auch nicht eingeschränkt nicht wieder aufgenommen.

Frankreich will auch Johnson & Johnson weiter einsetzen

Ganz anders reagiert hingegen Frankreich auf Meldungen von Nebenwirkungen bei AstraZeneca und Johnson & Johnson. Es würden, wie geplant, Menschen im Alter von über 55 Jahren geimpft, sagte Regierungssprecher Gabriel Attal am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung in Paris. Eine erste Lieferung mit rund 200.000 Impfdosen sei im Land bereits eingetroffen.

Wie Attal sagte, hält die Regierung auch am Impfstoff von AstraZeneca fest. Der Sprecher räumte aber ein, dass es Zweifel in der Bevölkerung an diesem Impfstoff gebe. Frankreich mit seinen rund 67 Millionen Einwohnern ist stark von der Coronavirus-Pandemie betroffen - es starben annähernd 100.000 Menschen.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA will in der nächsten Woche eine Empfehlung über das Vakzin von Johnson & Johnson abgeben. Die Behörde sei weiterhin überzeugt, dass die Vorteile die Risiken des Impfstoffs überwiegen. Die EMA hatte den Impfstoff am 11. März zugelassen.

EU-Kommission setzt künftig auf mRNA-Stoffe

Die EU-Kommission will bei den nächsten Bestellungen für Corona-Impfstoffe generell vor allem auf die neuartige mRNA-Technologie setzen, die zum Beispiel Biontech/Pfizer und Moderna nutzen. Dies bestätigten Kommissionskreise am Mittwoch in Brüssel. Dies bedeute aber nicht, dass Hersteller wie AstraZeneca und Johnson & Johnson bei künftigen Verträgen bereits aus dem Rennen seien oder deren Verträge nicht verlängert würden. Entsprechende Berichte seien falsch, sagte ein EU-Beamter.

AstraZeneca und Johnson & Johnson nutzen für ihre Corona-Impfstoffe eine andere Wirkweise mithilfe sogenannter Adenoviren. Zuletzt waren beide Vakzine mit Blutgerinnseln im Gehirn in Verbindung gebracht worden. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt den Impfstoff von AstraZeneca dennoch weiter. Beim Vakzin von Johnson & Johnson läuft eine weitere Prüfung. Der Konzern hat die Auslieferung in Europa vorerst ausgesetzt.

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass die Kommission bis zu 1,8 Milliarden Impfstoffdosen für Auffrischungen und für Kinder bestellen will. Der Vertrag soll für die Jahre 2021 bis 2023 gelten. Als Kriterien nannten Kommissionskreise bereits am Freitag, dass es sich um Impfstoffe auf Grundlage der mRNA-Technologie handelt.

Mit den Präparaten von Biontech/Pfizer und Moderna sind bisher zwei Impfstoffe dieser Art in der EU zugelassen. Im Sommer könnte das Mittel von Curevac hinzukommen. Weitere Kriterien sind, dass der Impfstoff in Europa produziert wird und dass das Unternehmen ausreichende Produktionskapazitäten hat.

(APA/Reuters)