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Beruf

Mehr Frauen in der Chefetage gewünscht

Teilzeit-Führungskräfte, die sich um ihre Kinder kümmern?
Das müssen nicht immer nur Frauen sein.imago images/MASKOT
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Die Bankenbranche will mehr Frauen in der Chefetage sehen. Auch Führungspositionen in Teilzeit sollen normal werden. Das trifft auch Männer.

Kinder in die Welt zu setzen ist eine Entscheidung, die von Paaren idealerweise im gegenseitigen Einvernehmen getroffen wird. Vor dem Kindergarten, auf dem Spielplatz oder beim Home-Schooling sind es dann aber vor allem die Frauen, die mit dem gemeinsamen Nachwuchs anzutreffen sind.

 

Genau das macht es den Teilzeit-Berufstätigen jedoch schwer, die Karriereleiter emporzuklettern und Einkommensnachteile erst gar nicht aufkommen zu lassen. Denn weibliche Führungskräfte sind rar gesät – noch dazu, wenn sie Kinder haben.

Dabei ist der Anteil der Frauen an der Gesamtbelegschaft eines Unternehmens oft relativ groß. Das zeigt auch ein Blick auf die Finanzbranche. Obwohl Frauen seit über 20 Jahren mehr als die Hälfte des Personals bei den heimischen Aktienbanken stellen, hatten im Vorjahr nur zehn Prozent eine Vorstandsfunktion inne, wie aus einer Umfrage des Bankenverbandes (unter zwölf Mitgliedern mit 14.000 Beschäftigten) hervorgeht. Weshalb sich dieser nun zum Ziel gesetzt hat, den Frauenanteil in der Chefetage bis zum Jahr 2030 auf mindestens 20 Prozent zu erhöhen. „Wir wollen Frauen und Männern die gleichen Chancen bei der Gestaltung ihrer Berufskarriere geben“, sagt Robert Zadrazil, Präsident des Bankenverbandes und Chef der Bank Austria.

Wie Frauen Unternehmen helfen können

Gezielt Frauen zu fördern bringt nicht nur den Betroffenen, sondern auch den Unternehmen etwas. Aus Erhebungen weiß man, dass Firmen mit Frauen in Führungspositionen nicht nur wirtschaftlich erfolgreicher, sondern auch krisenstabiler sind. Susanne Riess, Vizepräsidentin des Bankenverbands und Generaldirektorin von Wüstenrot, sagt: „Frauen setzen andere Akzente und verfügen über andere Fertigkeiten, mit denen sie sich einbringen können.“

Wie sehr Mitarbeiterinnen gefördert werden, hänge jedoch auch von der Unternehmenskultur ab, so Riess. „Ich bin keine große Freundin von Quoten“, sagt sie. Ihrer Beobachtung nach würden aber Firmen, die Quoten im Aufsichtsrat zu erfüllen hätten, auch mehr Frauen im operativen Management beschäftigen. „Gleichberechtigung und duale Karrieren sind wichtig“, so Riess.

In der Bankenbranche ist der Anteil weiblicher Führungskräfte ein bis zwei Ebenen unterhalb des Vorstands in den vergangenen zehn Jahren durchaus gestiegen – von 22 auf zuletzt 27 Prozent. „Doch da ist noch Luft nach oben“, findet Zadrazil. Wohl ebenso wie bei den Führungskräften in Teilzeit. Sie machten innerhalb der befragten Verbandsmitglieder im Jahr 2020 zehn Prozent (2010: rund ein Prozent) aus. Der Anteil der Männer an diesen Teilzeit-Chefs verdreifachte sich in diesem Zeitraum auf 37 Prozent.

Grundsätzlich ist Teilzeit aber Frauensache. Österreichweit arbeitet jede zweite Frau Teilzeit, aber nur jeder zehnte Mann. In der Bankenbranche ist es nicht anders. Es sind überwiegend Frauen, die in Elternteilzeit gehen (für die es einen geschlechtsunabhängigen Rechtsanspruch gibt). Männer in Teilzeit gibt es auch, doch sind sie eher in der Altersteilzeit (27 Prozent) zu finden oder im Bereich „sonstige Teilzeit“. Da wird dann beispielsweise wegen der Work-Life-Balance weniger gearbeitet oder wegen der Weiterbildung.

Gerade Männern, die sich aktiv um ihre Kinder kümmern, müsste man „Karrieremöglichkeiten eröffnen“, so Riess. Oft herrsche die Sorge, dass ein niedrigeres Pensum im Beruf mit geringeren Aufstiegschancen einhergehe. „Das ist ein gesellschaftliches Thema“, so Riess.

Weshalb sich der Bankenverband unter anderem für den Ausbau von Führung in Teilzeit und flexiblere Arbeitszeitmodelle ausspricht. Bei der Bank Austria versucht man beispielsweise verschiedene Optionen für Führungskräfte zu etablieren. So gibt es etwa Positionen, die in Co-Funktion an je zwei Teilzeitbeschäftigte vergeben werden (was sich nicht immer realisieren lässt), ebenso wie Führungsjobs, die nur von einem Beschäftigten in Teilzeit ausgeübt werden. Bei Letzteren hat sich allerdings gezeigt, dass diese zumindest 80 Prozent anwesend sein müssen.


[RDMVJ]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.04.2021)