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Interview

Chirurg: "Intensivstationen sind dazu da, ausgelastet zu sein"

ICU for COVID-19 patients in Vannes
Der einzige Parameter in der Bekämpfung der Pandemie dürfe nicht die Frage sein, ob zu jeder Zeit genug freie Intensivbetten verfügbar sind, sagt Jörg Tschmelitsch.REUTERS
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Der onkologische Chirurg und medizinische Direktor des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in St. Veit, Jörg Tschmelitsch, bezweifelt die Sinnhaftigkeit von Lockdowns und fordert Öffnungsschritte. Auf den Intensivstationen gebe es genug Ressourcen.

„Seit einem Jahr hängt die gesamte Gesellschafts- und Gesundheitspolitik von der Anzahl der freien Intensivbetten ab. Das kann doch nicht unsere einzige Strategie in der Bekämpfung dieser Pandemie sein. Das ist widersinnig. Wir müssen eine Kosten-Nutzen-Analyse durchführen und auch die Kollateralschäden berücksichtigen“, sagt Jörg Tschmelitsch, onkologischer Chirurg, medizinischer Direktor des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in St. Veit, Mitglied der Kärntner Kommission zur Corona-Bettenverteilung sowie Mitglied des Kärntner Sanitätsrats.

„Aus Angst vor vollen Intensivstationen können wir nicht wie das Kaninchen auf die Schlange starren, im ganzen Land das Licht abdrehen und nach ein paar Wochen den Kopf hinausstrecken, um nachzusehen, ob sich die Lage beruhigt hat“, so Tschmelitsch. „Die Frage lautet daher, ob der zweifelhafte Nutzen eines harten Lockdowns mit allen Begleiterscheinungen vertretbar ist. Abgesehen davon, dass ein harter Lockdown massive Kollateralschäden auch in der Medizin verursacht, gibt es zahlreiche Daten, die zeigen, dass er keine wesentlichen zusätzlichen positiven Auswirkungen im Vergleich zu limitierten gezielten Maßnahmen hat. Die Sinnhaftigkeit von harten Lockdowns ist also fraglich.“ Jörg Tschmelitsch im Interview.