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Irland fällt in die Rezession zurück

Irland fällt in die Rezession zurück
(c) EPA (Cathal Mcnaughton/pa)
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Die Wirtschaftsleistung sank im zweiten Quartal 2010 um 1,2 Prozent. Die Lage sei so schlecht wie die von Griechenland, sagt ein Experte. "Irlands Wirtschaftswunder war nur eine Illusion", meint ein anderer.

Irland ist im Frühjahrsquartal unerwartet in die Rezession zurückgefallen. Die Wirtschaftsleistung sank im Vergleich zum ersten Quartal um 1,2 Prozent, wie das irische Statistikamt am Donnerstag mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten mit einem Anstieg um 0,5 Prozent gerechnet. Sie bezeichneten die Daten als enttäuschend.

Nur kurze Phase des Wachstums

"Das macht die Dinge schwieriger, und ich denke, die Regierung wird über mehr Einsparungen nachdenken, als ursprünglich geplant waren", sagte Stephen Taylor von Dolmen Stockbrokers.

Die irische Wirtschaft war im ersten Quartal erstmals wieder gewachsen, nachdem das Bruttoinlandsprodukt seitdem Schlussquartal 2007 kontinuierlich geschrumpft war. Die Wirtschaftsleistung legte aber mit 2,2 Prozent nicht so stark zu wie ursprünglich erwartet.

Schlimmer als Griechenland?

Irlands Finanzen stehen unter extremem Druck. Das Vertrauen der Finanzmärkte in die Zahlungsfähigkeit des Landes geht schon seit Wochen und Monaten zurück. Irland leidet vor allem unter den Problemen seiner Großbanken. Das drittgrößte Institut, die Anglo Irish Bank, soll angesichts der hohen Verluste und weiterhin hohen Kapitalbedarfs langfristig abgewickelt werden. Bisher wurden bereits mehr als 23 Milliarden Euro in das Institut gepumpt, laut S&P könnten es bis zu 50 Milliarden Euro werden.

Der frühere Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, Simon Johnson, behauptet sogar, dass Irland praktisch insolvent ist, und seine wirtschaftliche Lage genau so schlecht wenn nicht noch schlechter als jene von Griechenland sei. Um eine Pleite zu vermeiden, müssten die Iren zu allererst die Staatshilfen für die schwer angeschlagene Anglo Irish Bank stoppen, rät der Ökonom.

"Irisches Wirtschaftswunder nur eine Illusion"

Irlands Wirtschaftswunder sei eine Illusion gewesen, behauptet Peter Boone von der London School of Economics. Die Basis dafür seien der clevere Gebrauch einer Steueroasen-Gesetzgebung und ein enormer Kreditboom gewesen.

Die eindrucksvollen Wachstumsraten über die letzte Dekade seien teilweise auf die aggressiven Versuche zurückzuführen, großen US-Konzernen bei ihren steuerschonenden Abrechnungen zu helfen. Rund 20 Prozent des irischen BIPs sei auf solche Gewinn-Transfers zurückzuführen, die kaum Steuereinnahmen gebracht hätten. Würde man die irischen Zahlen diesem Faktum anpassen, sehe es für Irland noch fataler aus.

EU-Land mit höchster Pro-Kopf-Verschuldung

Irland ist schon jetzt das EU-Land mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung. Das hoch verschuldete Land droht seine Sparziele weiterhin zu verfehlen. Die Regierung werde ihre Haushaltspläne für die kommenden Jahre wohl bald an die holprige Entwicklung der Konjunktur anpassen müssen, sagte der irische Zentralbankchef Patrick Honohan kürzlich.

Auf den Finanzmärkten kursieren bereits Gerüchte, dass die Iren auf die Hilfe des Rettungsschirms der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgreifen müssen. Dublin und der IWF beeilten sich, die angebliche Notwendigkeit milliardenschwerer Hilfen mit Nachdruck zu dementieren.

Irland wird Defizit 2010 steigern

Irland ist das einzige der Euro-Krisenländer, das sein Defizit 2010 noch steigern wird. Bereits 2009 führte es mit einer Neuverschuldungsquote von 14,3 Prozent die Krisenländer an. In diesem Jahr könnten es Berichten zufolge 20 bis 25 Prozent werden. Die letzten offiziellen irischen Prognosen gehen noch von einer zusätzlichen Neuverschuldung von 11,5 Prozent aus. 2011 dürften die Staatsschulden bereits über 100 Prozent des BIP steigen.

Die irische Zentralbank geht derzeit für 2010 noch von einem nominellen BIP-Wachstum um 1 Prozent auf 161 Mrd. Euro, einer Zunahme der Staatsverschuldung um 11,5 Prozent auf 135 Mrd. Euro - das sind knapp 84 Prozent des BIP - aus. Die Arbeitslosigkeit dürfte von 11,8 auf 13,3 Prozent steigen.

(APA)