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Geschmacksfrage

Testessen bei "Floh to go" und Boxwood

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„Floh to go“ bringt Frühling und ersetzt (fast) den echten Sonntagsausflug. Langos kann man auch trüffeln und Salami griechisch-vegan essen.

Das sonntägliche Mittagessen kann nie nur ein Lunch sein, es ist eine zutiefst ­traditionelle, fast bürgerliche Institution, man pflegt die Familie oder den Freundeskreis oder die eigene Person. Glücklich die, die das immer in den eigenen vier Wänden vollziehen, unglücklich die, die es euphemistisch Sonntagsausflug (langes Essen, kurzer Spaziergang) nennen und ein entsprechendes Ziel brauchen. Zum Glück bieten manche Premium-Ausflugsziele „To-go-Service“ an. Etwa die Gastwirtschaft „Der Floh“, dessen gleichnamiger Chef nicht nur einen charakteristischen (Stroh-, Cowboy-, Fischer-?)Hut trägt, sondern wie kaum einer in dem Land zwischen den Küchenlinien „bodenständig“ und „mutig bis wild“ hin und her springen kann. Glücklicherweise bietet er auch „Floh to go“ und motzt somit den heimischen Sonntagstisch auf.

Als da ­verzehrt worden wären: schön mollige Gnocchi mit Gemüse und ein tadelloses im Schmalz veredeltes Backhendl mit ­Erd­äpfelsalat. Auch gibt es ein Frühlingsmenü, Vorspeise und Nachspeise darf man aus dem Karton essen, beziehungsweise der Bio-Spargel auf eingelegten Pfirsich-Scheiben darf mit einer im Wasserbad erhitzten Griescreme noch runder zubereitet werden. Die gar nicht so kleine Mini-Biskuitroulade liegt auf schön säuerlichem Rhabarber und Milchcreme. Die Fischsuppe mit Kamptaler Safran mildert das Meerweh ein wenig. Bei der wunderbar weich gedünsteten Molkeschwein-Scheibe sind wir wieder zu Hause, die würzige Bohnen-Feijoada passt perfekt dazu. Und ja, ich mache mir um die ­Spargelsaison Sorgen.

(c) Amplius Media - Vincent Nussbaumer

In einer Gulasch-Variante werden diese am Wochenende bei Boxwood angeboten. Das Spargel-Gulasch schmeckt ganz brav, wirklich sehr gut ist der Lockdown-Renner des Hauses: Getrüffelte Mini-Langos, die mit Sauerrahm, scharfer Tomaten-Salsa, Jungzwiebeln und Steak-Scheibchen gefüllt werden. Bitte damit flächendeckend den Fett-Knoblauch-Langos ersetzen. Ja, ich weiß, das liest sich nicht nur versnobt. Aber es geht viel geerdeter: Auf der Nussdorfer Straße gibt es eine wunderbar sortierte Kulinarikbotschaft Griechenlands. Im Favas Gourmet habe ich ernsthaft das erste Mal ein „Moussaka“ mitgenommen, das ich im ersten Biss immer geschmacksintensiv und danach ein wenig langweilig am Gaumen spüre. Empfehlenswert ist der Laden auf jeden Fall, dort habe ich das witzigste Lebensmittel des heurigen Jahres gefunden: Vegane Salami aus getrockneten Feigen und geräucherten Paprika. Das schmeckt wie Kletzenbrot und im Nachgang wie echte Wurst. Nur damit Sie sicher sein können, ich wage jedes Experiment ­für Sie.

„Floh to go“, www.derfloh.at/floh-to-go Boxwood Take-away, Grashofgasse, 1010 Wien.
Favvas Gourmet, Nußdorfer Str. 27, 1090 Wien. Mehr Kolumnen auf: DiePresse.com/lokalkritiken