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Der Kampf um Stadt und Land

(c) Getty Images
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Die US-Autorin Sara Paretsky lässt ihre kämpferische Detektivin Vic Warshawski in „Landnahme“ auf die großen Fünf des 21. Jahrhunderts los: korrupte Politiker, brutale Wirtschaftsbosse, mächtige Anwälte, durchtriebene Medienmogule und käufliche Wissenschaftler.

Die amerikanische Autorin Sara Paretsky schwimmt seit 1982 auf der Erfolgswelle - auch wenn diese sich im deutschen Sprachraum eine Zeit lang verflacht hat. Seit einigen Jahren aber surft Paretsky im Zuge einer Renaissance auch hierzulande wieder ganz oben, als Liebling von Lesern und Krimi-Bestenlisten gleichermaßen. Sehr zu Recht, wie der mittlerweile 20. Fall von Paretskys ebenso hartgesottener wie großherziger Ermittlerin V.I. „Vic“ Warshawski zeigt.

In „Landnahme“ lässt Paretsky Warshawski gleich auf das gesamte gesellschaftliche Großwild des 21. Jahrhunderts los. Vics „Große Fünf“ sind korrupte Politiker, brutale Wirtschaftsbosse, mächtige Anwälte, durchtriebene Medienmogule und käufliche Wissenschaftler. Wie immer dröselt Paretsky den Fall von einem nicht weiter bemerkenswerten Ereignis in Warshawskis persönlichem Umfeld ausgehend auf und entwickelt daraus ein vielschichtiges und komplexes Gebilde, durch das man ihr atemlos folgt, voller Spannung aber ohne sich zu verirren.

US-Autorin Sara Paretsky.
US-Autorin Sara Paretsky.(c) City of Literature

Der harmlose Ausgangspunkt von „Landnahme“ ist ein Treffen der Chicagoer Stadtteil-Initiative South Lakefront Improvement Council (SLICK), wo die Fußballmannschaft von Bernie, Vics Patentochter, geehrt wird. Die ersten Pfeiler der Handlung werden dort eingeschlagen: ein hitziger Streit um Pläne zum Ausbau des öffentlichen Strandes am Lake Michigan und das Auftauchen der vor Jahren verschwundenen Sängerin Lydia Zamir, nachdem ihr chilenischstämmiger Partner Hector Palurdo bei einem Amoklauf vor ihren Augen getötet worden war. Bald darauf geschehen die ersten Morde an Menschen, die für SLICK arbeiten; Medienkonzerne und Anwaltskanzleien entwickeln ein auffälliges Interesse am Verbleib von Lydia Zamir und die Geister einer schon länger zurückliegenden, komplexen Vergangenheit werden unruhig. Es geht um Geld und um Macht und um Menschen, die dafür über Leichen gehen. Am liebsten auch über die von Warshawski.

(Zu) viele brisante Themen

Sara Paretsky greift in „Landnahme“ viele - diesmal vielleicht etwas gar viele - gesellschaftlich brisante Themen auf. Zentral aber geht es darum, wem das Land gehört – in der Stadt Chicago wie auch in den Weiten von Kansas – und wer sich mit Geld das Recht erkaufen kann, damit anzustellen was immer er (oder sie) will ohne dafür Rechenschaft ablegen zu müssen. Um die Charaktere und ihre Verbindungen zueinander einordnen zu können, hilft es, den einen oder anderen früheren Krimi mit Vic Warshawski gelesen zu haben. Wenn nicht, macht das auch nichts: Es ist nie zu spät, mit Sara Paretsky anzufangen.

Sara Paretsky: „Landnahme“, übersetzt von Else Laudan, Argument Verlag mit Ariadne, 540 Seiten, 24 Euro