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Wie man ein Postamt in den Ruin führt

Marginalie Postamt Ruin fuehrt
(c) APA (ROBERT JAEGER)
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Die Aufsichtsbehörde will ein Postamt erhalten, die Post AG will es schließen - und führt es daher defizitär. Der Auszug war bereits beschlossene Sache, das Inventar schon verteilt.

Manager bei der Post haben es schwer. Da soll man ein Unternehmen führen, und dann braucht man für jede Sparmaßnahme das Okay der Regulierungsbehörde (RTR). Beispielsweise, wenn man ein Postamt zusperren will. Und dann passiert es auch noch, dass die Behörde nicht akzeptiert, was man plant. Weil sie etwa glaubt, dass eine Poststelle, die man auflassen möchte, durchaus wirtschaftlich geführt werden kann. Was macht man also als ordentlicher Manager? Man führt die Poststelle schlicht defizitär.

Wie das geht, zeigt man derzeit im niederösterreichischen Mauerbach vor den Toren Wiens. Das kleine, aber freundlich besetzte Postamt der Gemeinde war im April bei der RTR „eingemeldet“ worden, wie das in Amtssprache heißt. Geschlossen werden sollte es, weil die „nachhaltige Wirtschaftlichkeit“ nicht gegeben sei.

Vorausschauend suchte die Post einen Partner, der seine Dienste im Bezirksblatt bereits für Anfang August ankündigte. Doch dann befand die RTR im Juli: Das kleine Postamt in Mauerbach könne durchaus kostendeckend geführt werden. Für eine Schließung gebe es daher keine Genehmigung.


Da war's freilich schon zu spät: Der Auszug aus dem kleinen Postamt war beschlossene Sache, die freundlichen Mitarbeiter waren vorgewarnt, das Inventar war auf andere Filialen aufgeteilt, und die Firma hatte bereits zur Eröffnungsfeier als Post-Partner geladen.

Was also tun? Die Post AG siedelte einfach das Postamt samt Mitarbeiter beim Post-Partner an. Jetzt steht also in dem Geschäftslokal zwischen Stromverteilern und Kabeln ein Tisch, hinter dem der bisherige Postbeamte wie zuvor seiner Tätigkeit nachgeht.

Oder nicht ganz. Denn er nimmt nur Briefe entgegen und klebt Marken auf Kuverts. All das, was er früher tat – Briefmarkensammlungen, Rubbellose, Kugelschreiber, Kuverts, Taschen oder auch DVDs verkaufen –, all das gibt es in der Filiale nicht mehr. Und diese Verkäufe machten doch einiges an Umsatz aus.

Die Post AG ist also auf dem besten Weg, ihre Filiale wirtschaftlich schwer in Bedrängnis zu bringen. Ein Sprecher erklärt die Zukunft in Mauerbach so: „Wenn wir auf der kleineren Fläche kostendeckend arbeiten können, dann bleibt die Filiale. Wenn nicht, werden wir sie noch einmal zur Schließung anmelden.“

Wetten auf die Weiterführung sind so sicher wie auf die Unsinkbarkeit der Titanic.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2010)