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Stunde der Wahrheit für Elektroautos

Stunde Wahrheit fuer Elektroautos
(c) Werk
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Elektroautos werden auf dem Pariser Autosalon wieder zum Blickfang. Laut Experten sind die Vorstellungen der Kunden, was ein Elektroauto kostet, völlig falsch. Der Mitsubishi i-MiEV etwa kostet 35.900 Euro.

Die Geschichte wiederholt sich. Es ist wie vor etwa 100 Jahren, diesmal halt mit Elektroantrieb. Wieder werden Ausdauerfahrten veranstaltet, um die Alltagstauglichkeit der Autos beweisen. Derzeit läuft die E-Rallye zwischen den beiden Kulturhauptstädten Europas 2010, Essen und Istanbul, bei der in 13 Tagen mehr als 4000 Kilometer zurückgelegt werden. Wieder versucht man, mit Geschwindigkeitsrekorden die Sportlichkeit der Autos zu beweisen. Zuletzt stellte Peugeot mit dem EX1 einige neue Bestwerte bei der Beschleunigung von Elektrofahrzeugen über die Kurzstrecke auf.

Das futuristisch anmutende Vehikel ist am Rande des Pariser Autosalons (2. - 17. Oktober) zu sehen. Auch andere Hersteller machen den E-Antrieb dort erneut zum Thema: Audi fährt den E-Tron diesmal als Spyder auf, Kia stellt die Studie des Dreisitzers Pop vor, Saab zeigt sein erstes Elektroauto, Nissan überrascht mit einem neuen E-Kleinwagen, Renault hat mit dem DeZir einen hinreißenden Blickfang. Der ist aber mehr eine Designstudie denn ein Technologieträger.

Nun kommt jedoch die Zeit, dass die Elektroautos erstmals die Showbühne verlassen. Nach dem Rummel müssen die Hersteller Farbe bekennen. Nun geht es an den Kunden, nun geht es ums Geld. „Das ist ja das Schöne, dass jetzt endlich die Preise genannt werden. Jetzt müssen sich die Hersteller outen“, meinte Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft an der Universität Nürtingen-Geislingen. Die Vorstellungen in der Öffentlichkeit darüber, was ein Elektroauto koste, seien vielfach völlig falsch.

 

10 Prozent Mehrkosten akzeptabel

Für die Österreicher wäre laut jüngster Umfrage der ÖAMTC-Akademie ein Mehrpreis bei Elektroautos um bis zu zehn Prozent akzeptabel. Davon kann derzeit bei weitem nicht die Rede sein. Der Mitsubishi i-MiEV, das erste Serien-Elektroauto in Österreich, kostet 35.900 Euro. Das ist mindestens doppelt so viel wie bei einem vergleichbaren konventionellen Fahrzeug. Bei den Betriebsausgaben soll er 20 bis 30 Prozent günstiger sein als ein Auto mit Verbrennungsmotor.

Andere Hersteller gehen andere Wege, um die Preishürde bei der Anschaffung zu überwinden. Der Zwillingsbruder des i-MiEV, der Peugeot iOn, wird in Europa ausschließlich als Leasingfahrzeug angeboten. Das Komplettpaket inklusive Lithium-Ionen-Batterie und aller Wartungskosten soll in Frankreich für 500 Euro pro Monat zu haben sein. Renault kommt 2011 mit drei Elektromodellen auf den Markt. Die Kosten werden geteilt. Das Fahrzeug ist zu kaufen, die Batterie wird gemietet.

Nissan bietet den Leaf, ein Elektroauto der Kompaktklasse, vorerst nur in Ländern an, in denen es eine staatliche Förderung gibt. Frankreich und Großbritannien spendieren 5000 Euro beim Kauf von Elektroautos. Ein vergleichbares, österreichweites Angebot sucht man vergeblich. Ohne Subvention dürfte der Leaf kaum unter 35.000 Euro zu haben sein.

Es werde zunächst eine Ernüchterung bei den Käufern eintreten, wenn sie erfahren, dass ein Kleinwagen 30.000 bis 40.000 Euro bei der Anschaffung kosten soll, meinte Dietz. Sollte es gelingen, 30.000 bis 40.000 Stück vom i-MiEV weltweit abzusetzen, dann würde auch der Preis sinken, rechnete Mitsubishi vor. Die Schätzungen über die Marktentwicklung sind aber breit gefächert. Das österreichische Umweltbundesamt rechnet mit einem Anstieg der Zahl von Elektrofahrzeugen hierzulande auf rund 210.000 im Jahr 2020. Saab geht davon aus, dass der Absatz von E-Autos 2020 die 500.000-Stück-Marke übersteigt – weltweit. Aber auch damit wären die batteriebetriebenen Pkw schon einen Schritt weiter als das Wasserstofffahrzeug. Das verharrt in der Rolle der ewigen Zukunftshoffnung. ag./red.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2010)