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Morgenglosse

Mückstein angelobt: Vorschnelles Urteilen tut selten gut

Wolfgang Mückstein wird heute als Gesundheits- und Sozialminister angelobt. Seine Agenda ist groß - die im Vorfeld getätigten Erwartungen und Befürchtungen auch.
Wolfgang Mückstein wurde heute als Gesundheits- und Sozialminister angelobt. Seine Agenda ist groß – die im Vorfeld auf ihn gesetzten Erwartungen und Befürchtungen sind es auch.(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
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Vorverurteilungen, Vorschusslorbeeren, Voreingenommenheit. Wie wäre es, wenn wir vom „Davor“ einmal absehen und den designierten Gesundheitsminister arbeiten lassen?

Er hatte noch nicht einmal das Amt inne, da wurde in den sogenannten „sozialen“ Medien in regierungskritischen Kreisen schon nach einem Hashtag für den neuen Gesundheitsminister gesucht. "Mücksteinmussweg" wäre neben seinem Pendant "Kurzmussweg" wohl untergegangen, man einigte sich schließlich auf "Mücktritt". Ausdrücke wie diese zeugen von Respektlosigkeit und sind einfach fehl am Platz.

Genauso wie die unzähligen Urteile, die gefällt wurden, bevor Wolfgang Mückstein seinen ersten Atemzug als neuer Gesundheits- und Sozialminister tun konnte. Da sprechen Menschen bereits von "Fehlbesetzung" und echauffieren sich über einen "Laien-Politdarsteller". Ihr Problem: Mückstein hat kaum politische Erfahrung, die Tätigkeiten als Grünen-Mandatar in der Ärztekammer seien nicht nennenswert oder gar mit jenen eines Ministers vergleichbar. Nur: Hat man bei seinem Vorgänger, bei Rudolf Anschober, nicht dessen Hintergrund als Volksschullehrer und die fehlende Expertise im medizinischen Bereich kritisiert?

Vielen waren auch die Turnschuhe und die Jeans ein Dorn Auge, in denen Mückstein bei seiner Präsentation erschien. Eine "Verhöhnung", ärgerten sie sich, er solle sich gefälligst ordentlich anziehen. Andere stoßen sich an seinem Zusatzstudium, jenem der Traditionellen Chinesischen Medizin, wieder andere an Aussagen, die er in früheren Interviews getätigt hat: "Ich möchte kein Politiker sein" sagte er da noch gegenüber "Puls 4". Und dann gibt es noch die, die beklagen, dass Bundespräsident Alexander Van der Bellen in seinem Primärversorgungszentrum behandelt worden ist – und Mückstein damit, Zitat, selbst zur "Bobo-Elite", gehöre.

Dass der Wiener Allgemeinmediziner eine Herkulesaufgabe annehmen wird, muss ihm bewusst sein. Über sein Monsterministerium hinaus, das neben Gesundheit auch Sozialagenden, Pflege, Konsumentenschutz, Ernährungssicherheit und Tierschutz umfasst – und derzeit ohnehin von der Coronapandemie dominiert wird – wird er menschlich stark sein müssen. Denn sein zukünftiger Kollege, Arbeitsminister Martin Kocher, gab ihm jüngst im Gespräch mit der "Presse" einen Vorgeschmack: "Diese Angriffe nehmen einen mehr mit, als man denkt. Das ist dann oft auch das, was das Fass zum Überlaufen bringt. Nicht so sehr der Stress, sondern die dauernden Angriffe." Und die beginnen augenscheinlich, noch bevor die Arbeit als Minister begonnen hat. So kommen noch weitere Aufgaben zur Agenda Mücksteins: Eine dicke Haut wird er sich zulegen und viel aushalten müssen, Angriffe gegen seine Person von konstruktiver Kritik trennen und abprallen lassen müssen.

Aber auch: Mit hohen Erwartungen umgehen. Und da hat Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) wohl seinen Teil beigetragen und ihm eine Reihe an Vorschusslorbeeren auf den Weg gegeben. "Wir brauchen jemanden", sagte er bei der Präsentation des neuen Gesundheitsministers vergangene Woche, "der mit Expertise und Kraft diese Gesundheitskrise managt. Neben mir steht jemand, der das kann." Ob Mückstein das wirklich kann, wird er beweisen müssen. Jetzt liegt es an uns, ihn auch einmal arbeiten zu lassen – und ihn an seinen Taten zu messen, nicht an seinen Turnschuhen. Denn wer weiß, vielleicht tanzt es sich am Politikparkett auch mit Turnschuhen gut?

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