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Kultursommer

Philosoph Nida-Rümelin eröffnet Salzburger Festspiele

Julian Nida-Rümelin spricht auf der phil.COLOGNE, dem internationalen Festival für Philosophie.
Julian Nida-Rümelin spricht auf der phil.COLOGNE, dem internationalen Festival für Philosophie.(c) imago images/Future Image (Christoph Hardt via www.imago-images.de)
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Der deutsche Ex-Politiker und Verfechter eines modernen, pragmatischen Humanismus wird seine Eröffnungsrede über die Notwendigkeit und Gefährlichkeit von Utopien halten.

„Alle Formen von Humanismus haben eines gemeinsam: Sie sehen den Menschen als Autor seines eigenen Lebens“, sagte Julian Nida-Rümelin vor wenigen Wochen in einem Gespräch mit der „Presse“ über Hirnforschung und künstliche Intelligenz. Der 66-jährige deutsche Philosoph ist überzeugt, dass man das Erbe des Humanismus mit den Erkenntnissen moderner Wissenschaft, der technologischen Entwicklung, aber auch gesellschaftlichen Entwicklungen wie der Migrationsgesellschaft versöhnen kann. Wie, hat er in Büchern wie „Digitaler Humanismus“ oder „Ethik der Migration“ dargelegt.

Dass Rümelin einst neben Philosophie auch Physik und Mathematik studiert hat, außerdem lange politisch tätig war (unter anderem als deutscher Kulturstaatsminister), gibt seinem Denken eine Weite und Praxisbezogenheit, die man an vielen Philosophen vermisst. Auch die tatkräftige Zuversicht, die bei allen Warnungen aus seiner Philosophie spricht, tut im zweiten Coronajahr gut. Und sie passt zur Haltung, die seit Beginn der Pandemie auch die Salzburger Festspiele an den Tag gelegt haben. Dort wird Nida-Rümelin heuer auch Eröffnungsredner sein, wie die Festspiele am Dienstag bekannt gegeben haben.

Am 25. Juli wird er in der Felsenreitschule „eine humanistische Utopie“ – so der angekündigte Redetitel – entwerfen. Um die Notwendigkeit und zugleich Gefährlichkeit von Utopien soll es in der Rede gehen und um einen „pragmatischen Humanismus“, den Nida-Rümelin als Alternative in unübersichtlichen Zeiten“ sieht.

Jubiläum wird weitergefeiert

Das Festival sei ja als Friedensprojekt, als humanistische Utopie also im Ersten Weltkrieg ersonnen worden, erinnert Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler. Zwar war die Feier des 100-Jahr-Jubiläums schon für 2020 angesetzt, doch aufgrund des damals pandemiebedingt verkürzten Programms wird auch heuer noch weitergefeiert, mit etlichen im Vorjahr verschobenen Aufführungen.

Seit 2009 lehrt Julian Nida-Rümelin Philosophie und politische Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, davor war er unter anderem von 1998 bis 2002 in der deutschen Kulturpolitik tätig – unter Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde er 2001 für ein Jahr Kulturstaatsminister. In der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften leitet er eine Forschungsgruppe zum Thema internationale Gerechtigkeit, seit 2020 ist er stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrats. In Österreich erhielt Nida-Rümelin für sein Buch „Digitaler Humanismus“ 2019 den Bruno-Kreisky-Preis für das beste politische Buch des Jahres.

(sim)