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Versicherungen

Wie Versicherer die Krise spüren

Kunden bleiben vor allem Haushalts- und Kfz-Versicherungen treu. (Symbolbild)Die Presse/Clemens Fabry
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Bei der Wiener Städtischen waren im Vorjahr fondsgebundene Einmalerläge und Krankenversicherungen gefragt. Manche Krisenentwicklung kommt erst zeitverzögert an.

Die Österreicher schwimmen im Geld – ein Paradoxon dieser Krise. Erklärbar durch die Unsicherheit, den angeordneten Konsumverzicht und die Tatsache, dass von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit nur ein Teil der Bevölkerung betroffen war. Doch selbst jene, die die Pandemie „erwischte“, wurden staatlich subventioniert, weshalb ihre Einbußen nicht ganz so dramatisch ausfielen. Einige nutzen ihr Erspartes im Vorjahr deshalb dazu, um es in den Aktienmarkt zu investieren. Der Coronacrash an der Börse bot einen günstigen Einstiegszeitpunkt.

Eine Entwicklung, die sich auch bei der Wiener Städtischen bemerkbar machte. Dort gab es bei den sogenannten Einmalerlägen im Vorjahr nämlich ein Plus von 15 Prozent auf rund 259 Mio. Euro, sagte Ralph Müller, der neue Generaldirektor der Wiener Städtischen Versicherung am Dienstag vor Journalisten. Das Geld floss hier in erster Linie in fondsgebundene Lebensversicherungen, für die keine Wertpapiersteuer (27,5 Prozent), sondern nur die Versicherungssteuer von vier Prozent anfällt.

Bei Einmalerlägen wird zu Beginn der Ansparperiode eine bestimmte Summe einbezahlt (bei der Wiener Städtischen sind es mindestens 3000 Euro), das Geld arbeitet dann zumindest zehn oder 15 Jahre (je nach Lebensalter gibt es unterschiedliche Behaltefristen) weiter. Am Ende kann sich der Kunde den Betrag auf einmal auszahlen lassen oder er erhält ihn „verrentet“, also monatlich bis ans Lebensende überwiesen.

Das Geschäft mit Einmalerlägen in der klassischen Lebensversicherung kam in den vergangenen Jahren quer durch die Branche infolge niedriger Zinsen praktisch zum Erliegen. Auch in der Wiener Städtischen geht man mit Einmalerlägen – so das Kapital nicht fondsgebunden veranlagt wird – restriktiv um. Fondsprodukte werden von Versicherungen und Banken seit Jahren dagegen stark beworben.

Stornierungen gestiegen

Was die Krise auch gebracht hat: Ein Prämienplus von 3,9 Prozent auf 434 Mio. Euro in der Krankenversicherung. „Die Krankenversicherung war in den vergangenen zehn Jahren immer ein Wachstumstreiber am Markt“, sagt Müller. „Und das Vorjahr hat das Sicherheitsbedürfnis vielleicht noch einmal befeuert.“ Sofern ein breiter, gut verdienender Mittelstand vorhanden ist, sei auch anzunehmen, dass die Nachfrage hier weiter bestehen bleibt. 3,5 Millionen Österreicher besitzen eine Krankenversicherung, vielfach handelt es sich dabei um „kleinere“, also günstigere Tarife, wie etwa solche für ambulante Behandlungen.

Corona machte sich für den Versicherer auch noch anders bemerkbar: Und zwar durch eine um rund zwei Prozentpunkte erhöhte Stornoquote, die normalerweise, je nach Sparte, zwischen vier und sieben Prozent liegt. Die Kunden würden vor allem an jenen Produkten festhalten, die sie unbedingt benötigen, wie Haushalts- oder Kfz-Versicherungen. Weil die stornierten Verträge aus dem Vorjahr noch bis Ende 2020 in den Büchern waren, könnte man die Konjunkturabkühlung jedoch erst 2021 zu spüren bekommen. „Die Stornoeffekte werden wir in der vollen Wirkung erst heuer sehen.“

Sollte es im zweiten Halbjahr wieder bergauf gehen, komme dies ebenfalls zeitverzögert bei der Versicherung an. In puncto Prämien erwartet Müller für heuer eine „kleine Abkühlung“, die den gesamten Markt betreffen wird. 2020 gab es für die Wiener Städtische ein Prämienplus von drei Prozent auf 3,2 Mrd. Euro. Der Vorsteuergewinn fiel aber um 30 Prozent auf 124,3 Mio. Euro infolge eines niedrigeren Finanzergebnisses.[RE8RH]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2021)