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Film

„Love And Monsters“: Endlich wieder schöne Ungeheuer!

"Love and Monsters" von Michael Matthews
"Love and Monsters" von Michael Matthews(c) Paramount / Netflix
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In Michael Matthews' Genremix „Love And Monsters“ begibt sich ein verdruckster Jungspund auf Abenteuerreise durch eine Welt voller atemberaubendem Riesengetier. Auf Netflix.

Die Monster sind zurück! Jene Viertel der globalen Kinolandschaft, die nicht pandemiebedingt versperrt sind, erbeben derzeit unter den Quadratlatschen zweier altbekannter Ungeheuer. Im Sci-Fi-Spektakel „Godzilla vs. Kong“ matchen sich Riesenechse und Affengigant zu den Klängen von klingelnden Kassen. Unlängst hat der Clash der Kolosse Christopher Nolans Zeitreise-Blockbuster „Tenet“ umsatztechnisch übertrumpft – und darf sich nun „erfolgreichster Kinofilm seit Beginn der Pandemie“ nennen.

Wie hat er das geschafft? Klar: Die Leinwand-Konkurrenz schläft (noch), das macht vieles einfacher. Aber der Erfolg des (bei uns bislang nicht verfügbaren) Streifens, der verwaiste US-Kinosäle trotz seines zeitgleichen Streaming-Starts mit Publikumsleben erfüllte, zeugt auch von der Sehnsucht nach altmodischer Zerstreuung in Krisenzeiten.
Niemand wird behaupten, Godzilla – in seinem Debüt aus dem Jahr 1954 noch unverhohlene Ausgeburt von Japans atomarem Trauma – wäre neuerdings eine Corona-Metapher. Doch im zermürbenden Gerangel mit einem unsichtbaren Virengegner wirkt ein schrill brüllendes, unübersehbares Ungetüm, das man wenigstens mit Raketen beschießen kann, erfrischend unkompliziert.

Vielleicht erklärt sich damit auch der Mini-Hype um Michael Matthews' Genremix „Love And Monsters“, der seit 14. April auf Netflix gestreamt werden kann: Auch hier geht die Gefahr von überdimensionierten Kreaturen aus. Diese sind jedoch nicht immer böse – und müssen nichts zerstören, um den ästhetischen Sinn zu betören.

Die eben erwähnte Raketen-Strategie geht hier von Anfang an nach hinten los. Der Chemiewaffen-Beschuss eines bedrohlichen Asteroiden führt zu weit bedrohlicheren Mutationen irdischer Kaltblütler: Jetzt sind es die Mücken, die uns zerquetschen. Sieben Jahre nach der Insekten-Apokalypse verzehrt sich Joel (charmant verdruckst: „Maze Runner“ Dylan O'Brien) nach seiner Freundin Aimee (Jessica Henwick), von der er sich im Weltuntergangschaos trennen musste. Mit Funkkontakt hält er sein Begehren aufrecht. Und beschließt trotz Hang zur Schockstarre, die Sicherheit des Schutzbunkers zu verlassen, um die Angebetete aufzusuchen – ausgestattet mit Rucksack und Armbrust.

Luftquallen und Killerkröten

Unterwegs begegnen dem Jungspund ein niedlicher Hund namens Boy, ein nomadisches Vater-Tochter-Gespann mit beachtlichem Überlebenstalent – und jede Menge riesenhafter Kriech- und Krabbelviecher. Klingt grauslich? Ist es auch. Aber bei Weitem nicht nur. Ein Hauptreiz des Films liegt im liebevollen Design seines mutierten Getiers. Ob glibberige Killerkröte oder schillernde Luftqualle, jedes Wesen lädt mit detailverliebter Erscheinung zum Augenschmaus – wenn man sich traut. Auch die Protagonisten kommen bisweilen in Spielberg'sches Staunen: Die Begegnung mit einer imposanten Waldschnecke gemahnt an die ersten Sauriersichtungen in „Jurassic Park“. Eine Leistungsschau der Spezialeffekt-Studios Mr. X und MillFilm: Im Verbund mit dem Ausstattungskünstler Dan Hennah („Der Hobbit“) schufen sie trotz moderater Budgetierung eine glaubhafte Fabelwelt im Geiste des Altmeisters Ray Harryhausen, die analoge und digitale Elemente elegant verquickt – und wurden dafür mit einer Oscar-Nominierung für Visual Effects bedacht.

Schleimig, aber wärmend

Die Handlung rund um die Monstersafari bleibt Stückwerk, kann aber trotz dramaturgischer Schwächen überzeugen. Joel überwindet sukzessive seine Ängste, findet nach etlichen Feuerproben zu Selbstbewusstsein. O'Brien verleiht dieser Erzählschablone die nötige Gefühlstiefe, wenn er sich zitternd versteckt oder im Gefechtseifer vor Courage entflammt.

Besonders gut gelingt „Love And Monsters“ die Balance zwischen unbeschwertem Abenteuer und ernsthaftem Entwicklungsroman. Auch ästhetisch: Seine Endzeit ist auffallend bunt, Außenaufnahmen strahlen vor sattem Grün (der Film spielt in Kalifornien, gedreht wurde an der Goldküste Australiens). Doch im Untergrund wurlt es unheimlich. Und obwohl die Krisenbewältigungsstory stets erbaulich bleibt, verfällt sie nie in Kitsch. Auch darum wickelt man sich gern in ihre Fantasiedecke. Sie mag ein bisschen schleimig sein. Aber sie wärmt.