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Fußball-Revolution

Implosion der Super League: Da waren es nur noch vier

Brightons Spieler werben für die Champions League
Brightons Spieler werben für die Champions LeagueAPA/AFP/POOL/NEIL HALL
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Nach dem Rückzug der sechs englischen Klubs folgten am Mittwoch auch Inter Mailand und Atletico Madrid. Juve-Präsident Agnelli hat das Scheitern bereits akzeptiert.

Die Super League ist am Ende: Als erstes haben sich mit Chelsea, Manchester City und United, Liverpool, Arsenal und Tottenham alle sechs involvierten englischen Klubs am Dienstagabend von den scharf kritisierten Plänen abgewendet. Am Mittwoch zogen sich auch Inter Mailand und Atletico Madrid aus dem umstrittenen Projekt zurück. Inter sei nicht mehr Teil des Projekts, gab der aktuelle Tabellenführer der Serie A bekannt. Bei Atletico, dem Spitzenreiter der spanischen Liga, entschied der Verwaltungsrat am Mittwoch entsprechend.

"Wir haben einen Fehler gemacht und wir entschuldigen uns dafür", hieß es in einem Tweet des FC Arsenal. Der FC Chelsea schrieb: "Nachdem wir uns der Gruppe Ende letzter Woche angeschlossen haben, hatten wir jetzt Zeit, uns eingehend mit der Angelegenheit zu befassen und wir haben entschieden, dass unsere fortgesetzte Teilnahme an diesen Plänen nicht im besten Interesse des Clubs, unserer Fans und der breiteren Fußballgemeinschaft ist."

Für Atletico sei die "Eintracht zwischen allen Angehörigen der rot-weißen Familie das Wichtigste", betonten die Spanier in einer Stellungnahme. Es gehe vor allem aber um die Wünsche der Fans. Die Spieler und der Trainerstab um Chefcoach Diego Simeone seien mit der Entscheidung zufrieden, hieß es. Sie seien der Überzeugung, dass "die sportlichen Verdienste Vorrang vor allen anderen Kriterien haben müssen".

Auch FC Barcelona und AC Milan wurden schnell zu Wackelkandidaten. Barcelona-Präsident Joan Laporta will die Mitglieder über die Pläne abstimmen lassen. Die größten Treiber des Projektes scheinen damit nur noch Real Madrid und Juventus Turin zu sein. Real-Präsident Florentino Perez sollte auch Vorstandsvorsitzender der neuen Liga werden, Juves Andrea Agnelli einer von dessen Stellvertretern.

Eingeständnis von Agnelli

Auf der Webseite der Super League waren zunächst noch Durchhalteparolen gepostet worden. Angesichts der aktuellen Umstände wolle man nun die "am besten geeigneten Schritte zur Neugestaltung des Projekts überdenken". Die Super League sei "überzeugt, dass sich der aktuelle Status quo des europäischen Fußballs ändern muss".

Doch schon am Mittwoch akzeptierte auch Juventus-Chef Andrea Agnelli, der als einer der Architekten des Projekts gilt, das Scheitern. Von Reuters gefragt, ob die Super League nach dem englischen Rückzug noch bestehen könne, sagte der Italiener: „Um ehrlich zu sein, ist das offensichtlich nicht mehr der Fall.“ In einem Interview am Vortag hatte Agnelli noch die „Blutsbrüderschaft“ der zwölf Klubs gepriesen.

Dennoch bleibe er überzeugt von der „Schönheit des Projekts“, betonte Agnelli und betonte, dass es der beste Wettkampf der Welt geworden wäre. „Aber ich muss zugeben...ich glaube nicht, dass das Projekt noch besteht und weiterläuft."

Laut Agnelli seien vor dem Rückzug der englischen Vertreter zahlreiche andere Clubs an ihn herangetreten, um Aufnahme in den elitären Kreis zu finden. Neben den zwölf genannten Gründern wären noch drei weitere ständige Mitglieder vorgesehen gewesen. Fünf Plätze in der 20er-Liga hätten jährlich auf Basis der sportlichen Leistungen vergeben werden sollen.

"Ich werde nicht sagen, wie viele Clubs mich alleine in den vergangenen 24 Stunden kontaktiert haben", sagte Agnelli. "Vielleicht lügen sie, aber viele haben mich kontaktiert und gefragt, was sie machen können, um aufgenommen zu werden." Topclubs aus Deutschland und Frankreich, darunter der entthronte Champions-League-Sieger Bayern München oder Paris Saint-Germain, hatten sich am Dienstag öffentlich klar gegen die Super League deklariert.

Erleichterung in der „europäischen Fußball-Familie"

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin begrüßte die Rückzieher der Rebellen. Er zeigte sich in einer ersten Reaktion über die Entscheidung von Manchester City hocherfreut. "Ich freue mich sehr, City wieder in der europäischen Fußball-Familie begrüßen zu dürfen", sagte der Slowene in einer UEFA-Mitteilung, die noch vor den Entscheidungen der weiteren englischen Klubs veröffentlicht wurde. Der Premier-League-Tabellenführer habe große Intelligenz bewiesen, indem er auf die vielen Stimmen, besonders seine Fans, gehört habe, so Ceferin weiter.

Die Uefa hatte ebenso wie viele nationale Verbände und andere Klubs die Pläne massiv kritisiert. Die UEFA hatte mit scharfen Sanktionen gedroht: Die Klubs sollten aus der Champions League ausgeschlossen werden, ihren Nationalspielern drohte eine Sperre für die Europameisterschaft im Sommer.

Die UEFA hatte ihrerseits am Montag eine Reform der Champions League ab 2024 beschlossen. Demnach wird die bestehende Königsklasse von 32 auf 36 Clubs aufgestockt und die erste Phase nicht in Gruppen aufgeteilt, sondern in einem Ligaformat bestritten. Zwei der vier zusätzlichen Startplätze werden nicht über aktuelle Leistungen, sondern über die UEFA-Fünfjahreswertung vergeben. Diese Sicherheit scheint den ganz großen Clubs aber zu wenig.

Die grundsätzliche Idee wird den europäischen Klubfußball noch länger begleiten, auch wenn die erste Revolution nur von kurzer Dauer war.

(APA/red)