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Gelungene Ironie?

Schauspieler kritisieren Coronapolitik: Von Liefers über Rubey bis Proll

Manuel Rubey sah sich freitagfrüh gleich mit einem Shitstorm konfrontiert.
Manuel Rubey sah sich freitagfrüh gleich mit einem Shitstorm konfrontiert.(c) imago images/K.Piles ((c) Kurt Piles / Imago / Wien via www.imago-images.de)
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In Kurzvideos kritisieren prominente Schauspieler unter #allesdichtmachen die Corona-Politik der deutschen und österreichischen Regierung - und stoßen dabei auf heftige Kritik.

Der Schauspieler Jan Josef Liefers will Danke sagen. Den Medien, die dafür sorgen, dass der Alarm „ganz, ganz oben“ bleibt. „Und dafür sorgen, dass kein unnötiger kritischer Disput uns ablenken kann von der Zustimmung zu den sinnvollen und immer angemessenen Maßnahmen unserer Regierung.“ Es ist nicht nur ironisch, wie der beliebte Darsteller (etwa im „Tatort“ als Professor Boerne) das bringt, es ist süffisant. Und er ist nicht der einzige prominente Schauspieler, der in der groß angelegten Internetaktion unter dem Motto #allesdichtmachen für Aufsehen sorgt.

Von Ulrich Tukur über Volker Bruch, Meret Becker, Ulrike Folkerts, Richy Müller und Heike Makatsch sind 50 bekannte Schauspieler in Videos zu sehen. Auch heimische Vertreter wie Manuel Rubey, Nicholas Ofczarek oder Nina Proll sind dabei. Die kurzen Clips mit persönlichen Statements sind recht unterschiedlich, aber alle ironisch-satirisch bis sarkastisch-zynisch.

"Die Pandemie hat mir gezeigt, dass Distanz auch Nähe sein kann. Dass Einsamkeit auch Geselligkeit sein kann. Dass Sicherheit Freiheit ist. Dass Gesunde auch krank sein können“, sagt etwa Nina Proll süßlich. Und: "Ich wünsche mir weiterhin, dass Virologen unser Leben bestimmen. Denn nur sie können beurteilen, was für uns wirklich gesund ist. Das Leben kann tödlich sein. Bleiben Sie für immer zuhause und unterstützen Sie die Corona-Maßnahmen."

Die Videos sind freilich sehr pointiert. "Gerade bei so einem privaten Thema wie meiner Gesundheit, da möchte ich mich eigentlich nicht auf mich selbst verlassen. Ich bin froh, dass der Staat meine Gesundheit zu einer öffentlichen Angelegenheit gemacht hat", erklärt Kabarettist Roland Düringer in einem von insgesamt 51 Kurzvideos.

Ist das ein gelungener Protest? Jedenfalls ein auffälliger. Die Hashtags #allesdichtmachen, #niewiederaufmachen und #lockdownfürimmer wurden am Abend binnen kurzer Zeit zu den am meisten verwendeten bei Twitter. Es gibt Begeisterung, viele kritisierten die Aktion aber auch, hinter der die Münchner Firma Wunder Am Werk GmbH steht, wie der „Spiegel“ berichtet. 

„Letztendlich bloß fader Zynismus"

Die Kritik kam jedenfalls promt - und laut. Ebenso laut wie viele der Videos. "Die Schauspieler*innen von #allesdichtmachen können sich ihre Ironie gerne mal tief ins Beatmungsgerät schieben",  schrieb Moderator Tobias Schlegl, der auch Notfallsanitäter ist, auf Twitter. Viele Kritiker rieben sich an der Aufmachung, die in einigen Fällen nicht ironisch, sondern zynisch scheint. Der Pianist Igor Levit: Die stumpfste Waffe gegen die Pandemie sei "schlechter, bornierter Schrumpfsarkasmus, der letztendlich bloß fader Zynismus ist, der niemandem hilft. Nur spaltet." Manche fühlten sich auch an Verschwörungstheoretiker erinnert.

Liefers stellte in den sozialen Medien allerdings umgehend klar: „Eine da hinein orakelte, aufkeimende Nähe zu Querdenkern u.ä. weise ich glasklar zurück. Es gibt im aktuellen Spektrum des Bundestages auch keine Partei, der ich ferner stehe, als der AfD. Weil wir gerade dabei sind, das gilt auch für Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker, Corona-Ignoranten und Aluhüte. Punkt.“ Und erläuterte weiter: „Ich bin bei all denen, die zwischen die Fronten geraten sind, den Verängstigten, den Verunsicherten, den Verstörten und Eingeschüchterten, den Verstummten, den Sensiblen, den Hin- und Hergerissenen."

"Wenn man seinen eigenen Shitstorm verschlafen hat"

Manuel Rubey, der ebenfalls an der Aktion beteiligt war, meldete sich ebenfalls auf die vielen Reaktionen. "Wenn man seinen eigenen Shitstorm verschlafen hat“, begann er ein Statement auf Twitter. Und erklärte die Umstände: Er sei von einer von ihm geschätzten Person gefragt worden und habe einen Beitrag "zur Bedeutung der Kunst" gemacht, zu dem er nach wie vor stehe. "Der leugnet nichts und gar nichts." Die anderen Beiträge kenne er nicht. "Ich weiß auch nicht, ob irgendwer irgendwelche Absichten hat - ich glaube eigentlich nicht, sondern nur die Debatte anzuregen." Er wolle jedenfalls "nicht mal einen Millimeter in die Nähe von irgendwelchen Covid-Leugnern und -Leugnerinnen kommen." Die Krankheit sei "höchst gefährlich, aber darum ging es mir keine Sekunde". Er werde sich jetzt aus der Debatte rausnehmen.

(red.)