Jelena Popržan weicht gekonnt den Balkan-Klischees aus, die gern über sie gestülpt werden. Die Bratschistin huldigt von jeher einem bunten Stilgemisch.
Existenzialistischer Rollkragenpulli, Jeanslatzhose mit beeindruckender Glocke, dazu Schnürstiefel mit roten Bändern. Allein die Adjustierung, die die Bratschistin Jelena Popržan für die Fotosession wählte, demonstriert ihr vielseitiges und kämpferisches Wesen. Das natürlich auch aus ihrer Musik strahlt. Was hat sie nicht schon alles in Angriff genommen? Gemeinsam mit der Cellistin Rina Kaçinari hat sie das Duo Catch-Pop String-Strong geformt, das eine Art imaginäre Weltmusik schuf. Eigenkompositionen, die klassische, groovige und folkige Anmutung hatten. Dazu sang Popržan mal anmutig, dann wieder schräg.
Doppelte Frauenstärke hatte dann ihre nächste Formation Madame Baheux. Im Quartettformat wagte man abenteuerliche Arrangements und innovative Eigenkompositionen. Zuletzt veröffentlichte Popržan ihr erstes Soloalbum „La Folia“. Es soll einen Neubeginn nach zehn Jahren unermüdlicher Theater- und Bandmusik markieren. Erwartungsgemäß lässt sie sich weder auf eine Sprache – sie singt hier auf Englisch, Serbisch, Französisch und Deutsch – noch auf einen Stil festlegen. Die Musik flottiert frei durchs hügelige Gelände von Folk, Chanson, Pop, Klassik, Jazz und freier Improvisation. Besonders eindringlich glückte ihr die Adaption von Charles Aznavours „L'Emigrant“. Versonnen zupft sie die Töne, verliert sich in den bittersüßen Sprachbildern. „Dans la cohue de l'existence se trouve toujours un passant“, singt sie beseelt den patinierten Liedtext, der da verspricht, dass sich im Gedränge der Existenz immer wieder ein Weg auftut.