Bristol Palins Teenie-Seifenoper

Bristol Palins TeenieSeifenoper
Bristol Palins TeenieSeifenoper(c) AP (Adam Larkey)
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Die bald 20-jährige Tochter der republikanischen Politikerin tanzte sich in „Dancing With The Stars“ mit einem flottem Cha-Cha-Cha in die Herzen des Publikums.

Jon Stewart blieb für einen Moment die Spucke weg, ehe er anerkennend mit der Zunge schnalzte. Wie Bristol Palin in der TV-Show „Dancing With The Stars“ auf dem Parkett herumwirbelte, sich zuerst ihres züchtigen, grauen Businesskostüms entledigte und die Haarspange in die Ecke warf, um mit ihrem Partner zu Tom Jones' Cover-Version von „Mama Told Me Not To Come“ im roten Mini einen kessen Cha-Cha-Cha auf die Bühne zu legen – das rang dem TV-Satiriker, dem sonst nichts heilig ist, dann doch Respekt ab.

Sarah Palins bald 20-jährige Tochter avancierte gleich bei ihrem Debüt zur Instant-Sensation und ließ B-Promis vom Schlag eines David Hasselhoff (der gleich als Erster aus dem Bewerb flog) und Jennifer Grey – die in „Dirty Dancing“ einschlägige Erfahrung gesammelt hatte – hinter sich.

„Meine Mutter war die frühere Vizepräsidentschaftskandidatin“, sagte sie bei ihrer Vorstellung. Zur Enttäuschung des Publikums war die republikanische Politikerin nicht im Studio in Los Angeles erschienen. Aber daheim in Wasilla, Alaska, zeigte sich die „Hockey Mom“, die sich neuerdings zur „Mama Grizzly“ stilisiert, in einer Rolle, die ihr auf den Leib geschneidert ist: als Cheerleaderin für ihre Tochter. „Über mich wurde viel geschrieben“, fuhr Bristol fort, „aber ich bin ein ganz normales Mädchen.“

Ein klarer Fall von Understatement. Denn was soll normal sein an einem Mädchen, das vor zwei Jahren über Nacht ins Rampenlicht gezerrt wurde; an einer Minderjährigen, deren Mutter gegen vorehelichen Sex predigt und die dennoch prompt schwanger wurde? An einer jungen Frau, die die Soap-Opera ihres Teenager-Lebens für zigtausende Dollars an bunte Magazine verhökert; einer Konvertitin, die sich als Sprecherin für Abstinenz aufschwingt, in einer TV-Teenager-Serie auftaucht und ihre Haut in einer Tanz-Show meistbietend zu Markte trägt?

Im Sommer hatten ihre privaten Turbulenzen wieder für Schlagzeilen gesorgt. Zunächst posierte sie an der Seite ihres Ex-Verlobten Levi Johnston – ihres Highschool-Sweethearts – und des gemeinsamen Sohns Tripp auf dem Hochglanz-Cover des Klatschmagazins „US Weekly“. Sensationsheischend verkündete der Titel: „Wir werden heiraten.“ Mama und Papa Palin waren ganz und gar nicht einverstanden mit dem abrupten Sinneswandel ihrer Tochter, die die Verlobung kurz nach Tripps Geburt gelöst hatte. „Bristol glaubt in einem Maß an Vergebung, das für die meisten von uns im Alltag schwer umzusetzen ist“, ließen sie in einer knappen Mitteilung wissen, die Bände sprach.

Während der Trennung hatte Johnston, der sich als Posterboy für „Playgirl“ räkelte und dem es nach einer Hollywood-Karriere gelüstet, manch unschöne Episode aus dem Hause Palin aufgetischt. Da war die Rede davon, dass sich die Ex-Gouverneurin kaum um ihre fünf Kinder kümmert, dass sie trotz gegenteiliger Prahlerei nicht mit dem Gewehr umzugehen versteht und ihre Ehe in Brüche zu gehen droht. Das Selbstporträt der schneidigen Republikanerin splitterte. Sie revanchierte sich mit hämischen Bemerkungen über die Porno-Ambitionen von Levi alias „Rick Hollywood“.

Drei Wochen später war das Kapitel Levi wieder passé. Diesmal legte Bristol die Beichte im Magazin „People“ ab. Levi gestand, während des Beziehungsintermezzos womöglich eine andere Schulfreundin geschwängert zu haben – was die indes dementiert. Als der publicitygeile Levi schließlich an einer Palin-Parodie im Fernsehen mitwirkte, gab sie ihm erneut den Laufpass – und kehrte reumütig ins Elternhaus zurück. Wenn sie – ganz wie ihre Mutter – nicht gerade der Versuchung der Glitzerwelt erliegt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.09.2010)

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