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Elektro-Citro

Verblüffend saftig und diskret gefedert

Höher aufbauend als die Verbrenner der Baureihe: Citroën ë-C4, mit dem die Marke alte Stärken in Sachen Eigenart und Fahrkomfort wiederentdeckt – gerade elektrisch.
Höher aufbauend als die Verbrenner der Baureihe: Citroën ë-C4, mit dem die Marke alte Stärken in Sachen Eigenart und Fahrkomfort wiederentdeckt – gerade elektrisch.Fabry
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Überragender Fahrkomfort ist Thema des Citroën ë-C4. Obwohl das Auto nicht von Haus aus für einen Elektroantrieb konzipiert ist, scheint er logisch, ja erste Wahl zu sein.

Wien. Carlos Tavares hat nicht den Ruf eines Ankündigungsministers. Im Gegenteil, der Chef des jungen Stellantis-Konzerns gilt als Anpacker und Durchzieher, als einer, der seine Pläne eher noch vor der Zeit in Taten gießt. Soeben erläuterte er die Strategie seines Hauses, das von Alfa Romeo und Chrysler über Citroën, Dodge und Fiat bis Peugeot und RAM ein gutes Dutzend Marken beherbergt.


Es geht um die elektrische Transformation, für Tavares die größte Herausforderung, vor der die Autoindustrie steht. Auf nicht mehr als vier auf BEV (also rein elektrisch) fokussierten Plattformen, nach Fahrzeuggröße gestaffelt, werden ab 2025 alle über 100 Modelle der Konzernmarken fußen. Benziner oder Diesel solo werden dann bloße Randerscheinungen sein, zu Ende des Jahrzehnts auch die PHEV ausgedient haben, derzeit noch das Mehrheitsprogramm unter den Elektrifizierten. Ab 2023 sollen die BEVs die Verhältnisse umdrehen. Ob BEV oder PHEV: 2025 werden die Elektrifizierten 38 Prozent der Verkäufe darstellen, so Tavares.


Es könnte, wie der Citroën ë-C4 zeigt, auch schneller gehen. Die neue Generation von Citroëns Kompaktklasse basiert noch auf einer Verbrenner-Plattform für Benziner und Diesel, die zum BEV umgemodelt wurde. Und laut Bestelleingang der Händler, ganz aktuell erhoben, kommt der Elektriker auf fast 30 Prozent der Order.


Man kann's verstehen. Der elektrische Antrieb fügt sich beim C4 überzeugend in ein Gesamtkonzept, wie es die Marke endlich wieder unterscheidbar macht. Der spezielle Federungskomfort spielt eine tragende Rolle, aber eben auch die mühelose, geschmeidige Kraftentfaltung, die in diesem Format nur ein E-Motor bieten kann, hier mit 100 kW Leistung an der Vorderachse verbaut.

Innenraum: Hochwertig ausgeführt, stilvoll eingerichtet, ein Ort zum gerne Verweilen. Das hat aber auch mit dem Antrieb zu tun.
Innenraum: Hochwertig ausgeführt, stilvoll eingerichtet, ein Ort zum gerne Verweilen. Das hat aber auch mit dem Antrieb zu tun.Fabry


Fangen wir außen an. Das BEV sieht man dem Auto grundsätzlich nicht an, dabei unterscheidet es sich von den Verbrennern der Baureihe doch deutlich durch seine Höhe. Um bis zu 19 Zentimeter überragt sie die aufgebockte Elektroversion, um dem in der Bodengruppe verbauten 50-kWh-Akku mehr Bodenfreiheit zu verschaffen. Die resultierende, leicht erhöhte Sitzposition lässt man sich gern gefallen. 18-Zoll-Räder sind Standard und wohl auch notwendig, um das wuchtige Styling des Autos abzufangen. Aggressiv soll ein Citroën nie wirken, markant, etwas abseits der Norm, hingegen schon. Auftrag erfüllt, würden wir meinen.

Dass man nach vielen Versuchen zu einer schlüssigen Linie gefunden hat, zeigt auch der Innenraum. Er wirkt hochwertig und entbietet charmante Details, prominent etwa die Instrumententafel, die Sehnsucht nach endlich wieder Kino entfacht – wie eine kleine Leinwand, von hinten beleuchtet, steht sie da. Das reduzierte Aufgebot an Anzeigen, Tasten und Schaltern zeigt, dass es vor allem um einfache Bedienung geht und nicht Berufspiloten die Zielgruppe sind. Das dankenswert eben nicht riesig ausgelegte Display hortet die Funktionen des Bordsystems, zu Elektro-Spezifika gibt es einen Abkürzer. Lautstärke und Klimatisierung bekommt man als patente Drehregler gereicht.

Nach kurzer Zeit stellt sich das Gefühl ein, alles schnell und blind zu finden, was man so braucht, um ansonsten fast vergessen zu können, dass man in einem Auto sitzt. Als ein Zwischen-Ort, in dem man gerne Zeit verbringt, um dann angenehm überrascht zu sein, wenn das Ziel schon erreicht ist.

Geräumig: Der Beifahrersitz lässt sich gänzlich umlegen, das verschafft dem C4 Kapazitäten für Abhol-Besuche beim Möbelgeschäft.
Geräumig: Der Beifahrersitz lässt sich gänzlich umlegen, das verschafft dem C4 Kapazitäten für Abhol-Besuche beim Möbelgeschäft.Fabry

Vor wegelagernden Pardauz auf der Straße braucht man sich jedenfalls nicht zu fürchten. Der Clou ist eine Federung, die den Erstschlag (eines Schlaglochs, einer Schwelle) weich abfängt und das Nachbeben in der Dämpfung diskret verarbeiten lässt. Das Sportlich-Straffe ist nicht die Welt des Citroën, was nicht heißt, dass er übermäßig nicken oder schaukeln würde (wiewohl bei flotter Kurvenfahrt erhöhter Platzbedarf besteht). Die Geräuschdämmung ist superb, zwischen 100 und 140 km/h ist akustisch kaum Unterschied. In dem Bereich – und auch noch drüber, bis zur Höchstgeschwindigkeit, des Testes halber erkundet – zeigt der e-C4 verblüffend saftigen Durchzug. In der Stadt ist ohnehin kaum zu ertragen, wie behäbig der lärmende Tross um einen herum sich in Bewegung setzt.

Dies ist ein Elektroauto, das sich in allen Lagen wohlfühlt, wie auch der Mensch am Steuer, dem die Reichweite nicht zwischen den Fingern zerrinnt. Wer mit soliden 300 km in seinem Alltag auskommt (und zu Hause laden kann, denn öffentliche Tränken sind unwirtschaftlich), findet hier eine ernsthafte, auch preislich akzeptable Alternative zum gewohnten Gerüttel und Geratter vor.

Citroën ë-C4

Maße L/B/H: 4355/1800/1520 mm. Radstand 2670 mm. Leergewicht ca. 1650 kg. Kofferraum 380–1250 Liter.
Antrieb Elektromaschine max. 100 kW (136 PS), 260 Nm. Li-Io-Akku 50 kWh.
0–100 km/h in 9,7 sec, Vmax 150 km/h.
Reichweite max. 360 km (lt. WLTP).
RW im Test ca. 300 km.
Laden AC bis 11 kW, DC bis 100 kW.
Preis ab 29.990 Euro (abzügl. staatl. Förderg).