Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Kommentar

Schauspieler zur Corona-Politik: Muss man das ernst nehmen?

Internetaktion #allesdichtmachen � Schauspieler Jan Josef Liefers
Schauspieler Jan Josef Liefers teilte in #allesdichtmachen heftige Medienschelte aus(c) APA/dpa (Oliver Berg)
  • Drucken

Unter dem Hastag #allesdichtmachen kritisieren deutsche Schauspieler die Corona-Politik. Mit der Aktion leisten sie sich einen Bärendienst.

Es gibt da ein großartiges Stück österreichischer Kabarettgeschichte, das eine zeitlang auf Youtube zu finden war, nun aber leider verschwunden ist. In dem Sketch von den Hektikern gibt der damalige Fußballstar Andi Ogris (also nicht echt, vermutlich war es Florian Scheuba) auf Ö1 seine (Hoch-)Kulturtipps der Woche ab. Darunter das neue Handke-Stück am Burgtheater: „Elegisch, aber brillant“, urteilt er mit prononciertem Meidlinger L. Dass ein Sportler, ein Fußballer noch dazu, in das Hochkultur-Expertentum verpflanzt wird, ist komisch. Umgekehrt nimmt man die „Expertentipps“ erstaunlich ernst: Etwa die Äußerungen von Künstlern zur Corona-Politik. Diverse deutsche und österreichische Schauspieler haben sich unter dem Hashtag #allesdichtmachen mit überspitzt-ironischen Statements gegen die Coronapolitik zu Wort gemeldet. Der Aufschrei ist nun groß: Branchenkollegen kritisieren Aktion und die Akteure. Die wiederum verteidigen oder distanzieren sich, je nachdem.

Wer hinter der Aktion steckt, ist nicht ganz klar. Orchestriert wurde sie von einer deutschen Werbeagentur, manches Medium will gar eine Nähe zu Coronaleugnern entdecken. Aber nicht nur die Frage, wer die Prominenten gefragt hat, bleibt unbeantwortet. Auch jene, welches Gewicht man diesen Aussagen beimessen sollte: Jan Josef Liefers, der bei #allesdichtmachen heftige Medienschelte austeilte, mag zwar im „Tatort“ einen Mediziner spielen, hat aber nicht Virologie studiert. Und nur weil Nina Proll in einige Talksendungen zum Thema eingeladen war, ist sie nicht Christian Drosten. Der halbironische Ton macht die Sache nicht besser: Er soll bloß verschleiern, wie ernst die Kritik eigentlich gemeint ist.

Natürlich hat jeder das Recht auf seine politische Äußerung, aber das heißt nicht, dass jede Stimme zu jedem Thema das gleiche Gewicht hat. Mit Aktionen wie #allesdichtmachen tun sich Schauspieler nichts Gutes. Denn es gibt Themen, bei denen man ihnen zuhören und sie ernst nehmen sollte: Wie es vielen Schauspielern bei geschlossenen Theatern und Kinos beruflich und finanziell geht, ist dramatisch. Wie soll es mit den Bühnen, mit der insgesamt Kultur weitergehen? Vielleicht könnte jemand Manuel Neuer oder Sebastian Vettel dazu befragen. Bis es so weit ist, bleibt zumindest die Hoffnung, dass der Hektiker-Sketch wieder einmal online geht. Der ist nämlich wirklich lustig.