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Mein Samstag

Viel Eis ohne Plural

Selbstgemachtes Eis
Selbstgemachtes Eis(c) imago images/Panthermedia (foodandmore via www.imago-images.de)
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Das Kind hat also zum Geburtstag eine Eismaschine bekommen. Die Prophezeiungen, mit denen mich mein Bekanntenkreis in die Erfüllung dieses Geburtstagswunsches hineingeritten hat, haben sich dabei vorerst noch nicht erfüllt

„Das ist voll super“, wurde mir gesagt, „da könnt ihr total gesundes Eis machen, mit ganz wenig Zucker und gesunden Zutaten.“ Das Kind, das als Eigentümerin der Eismaschine auch die Befüllung ebendieser vorgibt, sieht das ein ganz klein wenig anders: Ziel der eigenen Eisproduktion ist demnach keineswegs, gesunde Eissorten herzustellen, sondern unter den im Rezeptbuch aufgelisteten Eiskreationen jene auszuprobieren, die möglichst viele Eier, noch mehr Zucker und unverschämt viel Schlagobers enthalten.

An das Einfrieren anderer Speisen brauche ich aktuell nicht zu denken, okkupieren doch Dunkle-Schoko-Eis (enorm viel Schlag, aber enorm gut), Zitronensorbet (fantastisch), Vanilleeis (ganz okay), Frozen Joghurt mit Himbeer-Swirl (großartig) und Erdnussbuttereis (bisschen herb) den Tiefkühlbereich. Die Eismaschine arbeitet also verlässlich, und dabei irrsinnig laut. Da sie genau hinter meinem Home-Office-Arbeitsplatz, dem Küchentisch, steht, ist an berufliche Telefonate während der Eisproduktion nicht zu denken. Auch das Klavierüben musste eismaschinenlärmbedingt schon mehrfach verschoben werden.

Weil ich gleich mit unserem selbstgemachten Eis in den sozialen Medien angegeben habe, haben sich mittlerweile allerlei Freunde und Bekannte zum Eisessen eingeladen, teils auch mit konkreten Sortenwünschen. Da das ja aktuell nicht möglich ist, wurden die Ess-Besuche auf unbestimmte Zeit verschoben. Dorthin, wo sich schon die ganzen anderen aufgeschobenen Freizeitpläne türmen: Geburtstagsfeiern, Brunches, Film-, Gin-und-Tonic-auf dem-Balkon-Abende. (Das wird ein Freizeitstress!) Ist Ihnen schon aufgefallen, dass es für Eis laut Wörterbuch keinen vernünftigen Plural gibt (und auch keinen unvernünftigen, einfach gar keinen), obwohl es unsagbar viele Eissorten gibt? In diesem Sinne: Ein schönes Wochenende! Mit bestem Eis-Ess-Wetter!

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.04.2021)