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Das Val Fex ist ein schlankes Seitental im Oberengadin. Bei Sils zweigt es in Richtung Bernina ab.
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Oberengadin

Val Fex: Ein Tag von Silber, eine Luft wie Champagner

Es gibt wahrscheinlich kein Tal in den Alpen, das so abgelegen ist und wo man so vielen Berühmtheiten begegnet wie im Val Fex im Schweizer Oberengadin. Dass die sich zu Lobeshymnen haben hinreißen lassen, ist leicht nachzuvollziehen.

Das Engadin ist nicht die Lothringerstraße. Es muss um das Jahr 1920 gewesen sein, als Karl Kraus von seinem Wiener Domizil nahe dem Stadtpark ins Engadin reiste und einen Ausflug in das beschauliche Val Fex unternahm – ein schlankes Seitental, das bei Sils nach Süden in Richtung Bernina abzweigt. „Tal der Schafe“ hatte es früher geheißen, weil die Leute aus dem nahen Bergell ab dem 14. Jahrhundert im Sommer ihre Schafe hinaufgetrieben hatten.

Damals wird es kaum anders ausgesehen haben als zu Kraus' Zeiten, und auch heute hat es den Ruf, besonders ursprünglich und ruhig zu sein. Gerade recht für geplagte Künstlerseelen, die seit dem frühen zwanzigsten Jahrhundert nach Sils pilgerten, um sich unter Gleichgesinnten der alpinen Entschleunigung hinzugeben. Das scheint gut funktioniert zu haben.

„Was rau begonnen war, verlief uns hold, ein Tag von Silber dankt dem Strahl von Gold. Der Zauber führt in ein versunkenes Reich. Wie bettet Kindertraum das Leben weich“, dichtete Karl Kraus voller Begeisterung. „Wir sind hier restlos begeistert und schlürfen die Luft der Gämsen wie französischen Champagner“, jubilierte Richard Strauss im Jahr 1947. Deutlich dezenter war da Friedrich Nietzsche, der in einer kleinen Pension in Sils Maria logierte, die heute ein Nietzsche-Museum ist. „Im Grunde gefällt mir es nirgendwo so gut“, stellte er fest.