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Morgenglosse

Wieder einmal: Was ist mit den Kindern?

Coronavirus - Schulen in Thueringen oeffnen wieder
APA/dpa/Michael Reichel
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Die Eltern und Kinder kommen schon wieder zum Schluss.

Am 19. Mai steigt also die große Eröffnungsparty. Die größte Wählergruppe der ÖVP, alle über 50, sollen dann geimpft sein. Das war bisher auch die Gruppe mit vielen Toten und schweren Verläufen. Keine Toten, weniger auf der Intensivstation – alles gut, oder?

Eigentlich nicht, weil auch junge Menschen, Eltern und Kinder erkranken – zum Teil auch schwer. Seit der Verbreitung der britischen Mutation kämpfen immer mehr mit mittelfristigen und auch Langzeitschäden. Long Covid, heißt das. Die einen haben bis Mitte Mai noch keine Impfung angeboten bekommen – mitunter, weil die Regierung bei den Impfeinkäufen versagt hat. Die anderen können sich nicht impfen lassen, weil es für sie keinen zugelassenen Impfstoff gibt.

Gerade den Eltern mit Kindern wurde in den letzten Monaten extrem viel abverlangt, man nannte es Solidarität. Die getroffenen Maßnahmen waren nachweislich stark zu Lasten der psychischen Gesundheit der Kinder und Jugendlichen, die bis zur britischen Mutation kaum schwer erkrankten. Das ist heute anders.

Nun sperren auch die Schulen wieder auf, und das Virenkarussell wird sich wieder drehen. Weil ungeimpfte Eltern ihre Kinder anstecken, die Kinder andere Kinder, die wieder ihre Eltern. Man kennt das von vielen Krankheiten, nicht nur von Corona.

Das alles weiß die Regierung, aber die Solidarität hört jetzt auf. Und zwar mit jenen, die die vergangenen Monate besonders belastet waren und die diese Krise am Ende des Tages auch zahlen. Dass Kinder im Konzept des Grünen Passes bisher nicht erwähnt wurden, ist nur ein weiterer Beleg der Ignoranz gegenüber dieser Bevölkerungsgruppe ohne große Lobby.


[REXWY]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2021)