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Veranlagung

Immobilienboom im "Metaversum" wird zum Millionengeschäft

Virtuelle Welten werden populärer. Investoren sehen Metaversen als künftige Veranstaltungsorte. Experten warnen aber vor einer Spekulationsblase.

Sie heißen "Decentraland https://decentraland.org ", "Cryptovoxels https://www.cryptovoxels.com", "Somnium Space https://somniumspace.com" oder "The Sandbox https://www.sandbox.game" und sind der neueste Hit auf dem Immobilienmarkt. Doch es geht es nicht um Grund und Boden oder Gebäude aus Stahl und Beton, sondern um virtuelle Welten. In solch einer digitalen Umgebung - genannt "Metaversum" - können Nutzer als Avatare - digitale Alter Egos - herumspazieren, Bauwerke besichtigen, sich mit Freunden treffen oder Veranstaltungen besuchen. Grundstücke, Gebäude oder Avatare in diesen Welten werden ge- und verkauft, oft schon für mehrere hunderttausend Dollar. Es sind NFTs - Non-fungible Tokens - eine Anlageklasse, bei der Echtheit und Eigentum in einer Blockchain gespeichert werden. Grundsätzlich können auf diese Weise alle digitalen Objekte - von Musik-Stücken über Nutzernamen bis zu Tickets für virtuelle Events - handelbar gemacht werden.

Ein Beispiel: Decentraland, eine virtuelle Welt, die auf ein Projekt aus dem Jahr 2015 zurückgeht. Nach Angaben der Plattform wurden bereits digitale Objekte wie Grundstücke, Nutzernamen oder Avatar-Outfits im Volumen von 50 Millionen Dollar verkauft. Größter Deal bislang war der Erwerb eines 41.216 Quadratmeter großen Grundstücks in diesem Metaversum für 572.000 Dollar. Das sind etwa 11,50 Euro pro Quadratmeter. In Deutschland beginnen Preise für Rohbauland dem Statistischen Bundesamt zufolge bei etwa 17,60 Euro.

Enthusiasten vergleichen das Rennen um digitale Grundstücke mit dem Run auf populäre Internet-Adressen in den 1990er Jahren. Nun will ein prominenter Name in das Geschäft einsteigen: Atari. Frederic Chesnais, früher Chef des Videospiele-Pioniers und heute Leiter der Blockchain-Sparte, kündigte im Gespräch mit Reuters den Aufbau eines eigenen Metaversums an. Online-Welten würden "sehr, sehr groß" werden, begründete er den Schritt. NFT-Immobilien könnten eines Tages Millionen wert sein. Dabei balgen sich bislang wenige Interessenten um die Grundstücke. Im März verteilte sich das Verkaufsvolumen in Decentraland von über vier Millionen Dollar dem Branchendienst NonFungible.com zufolge auf 334 Abnehmer.

Erlebnisse in der virtuellen Welt

Vignesh Sundaresan (Online-Pseudonym "Metakovan") sagt von sich, er sei einer der größten Investoren in NFTs. Im März machte der in Singapur lebende Entrepreneur Schlagzeilen, als er ein digitales Werk des Künstlers Beeple für 69,3 Millionen Dollar kaufte. Seine Sammlung digitaler Objekte ist im "Metapurse Fonds" gebündelt, der laut NonFungible.com 189 Millionen Dollar wert ist. Nun lässt Sundaresan von Designern Galerien für mehrere Metaversen entwerfen, in denen die von ihm zusammengetragenen Objekte ausgestellt werden sollen. Sein Partner Anand Venkateswaran ("Twobadour") beschreibt die Zukunft so: Derzeit gehe es den Investoren darum, möglichst viele NFTs zusammenzukaufen. "Aber die richtige Explosion kommt erst, wenn man die NFTs auch erleben kann." Denn darum gehe es eigentlich: Erlebnisse in der virtuellen Welt. "Das ist, worauf sich die Aufmerksamkeit fokussiert, und das ist monetarisierbar auf Millionen unterschiedliche Arten."

Einer der Vorreiter für Erlebnisse in der Online-Welt ist der US-Rapper Travis Scott. Seine fünf virtuellen Konzerte in der Welt des populären Online-Spiels "Fortnite" lockten im vergangenen Jahr 27,7 Millionen Besucher an. In Decentraland veranstaltete der deutsche Sportartikel-Hersteller Adidas eine Modenschau, bei der virtuelle Designs verkauft wurden. Samuel Hamilton, Event-Chef beim Betreiber Decentraland Foundation, plant auch virtuelle Ableger bekannter Musikfestivals.

Spekulationsblase?

Sebastien Borget, Mitgründer von The Sandbox, bezeichnet die Entwicklung virtueller Umgebungen als Geburt neuer Staaten. Die NFT-basierte Wirtschaft werde die Realwirtschaft innerhalb eines Jahrzehnts überflügeln.

Ben Nolan, der Gründer des Metaversums Cryptovoxels, ist skeptischer. "Ich erwarte einen Krypto-Winter. Der NFT-Boom wird explodieren und die Bewertungen kollabieren." Wer NFTs als Investition betrachte, sei schlecht beraten. Der Daseinsberechtigung digitaler Welten tue dies aber keinen Abbruch. "Sich mit einer anderen Person in einer virtuellen Welt Kunst anzuschauen, ist ein wirklich netter Zeitvertreib." Auch der Investor mit dem Pseudonym "Whale Shark", dessen NFT-Besitz NonFungible.com auf einen Wert von mehr als 20 Millionen Dollar taxiert, warnt vor einer Spekulationsblase. Die Mehrzahl der NFTs hätten keinen wirtschaftlichen Wert. Aus dem Hype würden nur wenige als Gewinner hervorgehen.

(Reuters)