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Gastkommentar

Belfast brennt wieder, und das liegt nicht am Brexit

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Der Brexit bringt den Nordirlandkonflikt nicht zurück. Aber er verstärkt jene Probleme, die seit dem Friedensprozess bestehen.

Seit vier Wochen verbreiten die internationalen Medien Aufnahmen von brennenden Reifen, Autos und einem ausgebrannten Doppeldeckerbus in Belfast. Die Bilder kommen pünktlich zum hundertjährigen Bestehen des Kleinstaats. Am 23. Dezember 1920 wurde mit dem Government of Ireland Act die Insel in zwei Teile zerstückelt. Es sollten Nordirland mit einem Parlament in Belfast und Südirland mit einem Parlament in Dublin entstehen. Beide Staaten sollten Teil des Vereinigten Königreichs bleiben.
Als das Gesetz im Mai 1921 in Kraft trat, kam es dazu nicht. Nur im Nordosten etablierte sich Nordirland als Teil des Vereinigten Königreichs. Der Süden wurde ein unabhängiger Freistaat, die spätere Republik Irland. Im Norden war die Teilung von antikatholischen Ausschreitungen begleitet. Katholische Iren wurden von protestantisch-unionistischen Mobs aus ihren Häusern vertrieben und katholische Arbeiter verloren ihre Jobs in den Werften Ost-Belfasts.

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Es etablierte sich ein protestantisch-unionistischer Staat, in dem die katholisch-irische Minderheit systematisch unterdrückt wurde. Als sich in den 1960er-Jahren die Situation erneut zuspitzte und radikale Unionisten die friedlichen Bürgerrechtsdemonstrationen angriffen, begann sich eine Gewaltspirale zu drehen. Am 15. August 1969 stürmten Unionisten von der Shankill Road in die katholische Bombay Street, vertrieben die Bewohnerinnen und Bewohner und steckten ihre Häuser in Brand. Es war der Beginn des Nordirlandkonflikts.