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Raumfahrt

China legt Grundstein für erste große Raumstation

Menschen beobachten den Start der Rakete mit dem ersten Segment der chinesischen Raumstation.APA/AFP/STR
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Kernmodul Tianhe gestartet. Der Ausbau soll bis Ende 2022 vorerst drei Hauptmodule zuzüglich angedockter Raumschiffe umfassen. Damit baut China ein Pendant zur Internationalen Raumstation ISS, von der es einst ausgeschlossen worden war.

China hat am Donnerstag mit dem lange erwarteten Bau seiner ersten wirklich großen Raumstation begonnen. Eine Rakete Typ Langer Marsch 5B brachte von der Insel Hainan vor Südchina aus sozusagen den Grundstein dafür ins All, nämlich das Modul „Tianhe" (Himmlische Harmonie), das für die künftige Dauer-Besatzung von typischerweise drei Personen die zentrale Unterkunft bildet. Von dort ausgehend werden weitere Segmente angeschlossen. Die erste Stufe des Vollausbaus soll Ende 2022 erreicht sein, durch Ankopplung zweier Module für wissenschaftliche Arbeiten namens „Wentian" und „Mengtian", dazu kommen mehrere angedockte Raumschiffe und womöglich ein getrennt im All schwebendes Weltraumteleskop.

Mit der Raumstation errichtet China ein Pendant zur Internationalen Raumstation ISS, allerdings auf vorerst viel kleinerer Basis. Hinter der ISS stehen 15 Länder (darunter die USA, Russland, Italien, Großbritannien, Schweiz) bzw. die fünf Weltraumagenturen Nasa, ESA, Roskosmos (Russland), Jaxa (Japan) und CSA (Kanada). Baubeginn war 1998, seither wird die Station Schritt für Schritt erweitert.

Seit Ende 2000 ist sie permanent bemannt und umfasst heute 16 Module, die unter Atmosphärendruck stehen und daher für Menschen problemlos benutzbar sind, etwa Unterkünfte, Labors, Lager. Insgesamt waren es zuletzt je nach Zählung etwa 40 bis 50 Bauteile, darunter Roboterarme, Schleusen, Maschinenelemente, Experimentalplattformen. Ihre Ausmaße sind 109 mal 73 Meter, sie kreist in rund 400 Kilometern um die Erde und wird dauerhaft von etwa sieben Personen bewohnt, es können auch bis zu elf sein.

Die ISS anno 2018.Nasa

Die chinesische Station firmierte im Vorfeld lange unter dem Namen „Tiangong" (Himmelspalast), so hießen auch ihre zwei kleinen Test-Vorgänger, die 2011 bzw. 2016 gestartet und mittlerweile wieder zum Absturz gebracht worden sind. Für die nunmehrige große Station ist seit einigen Jahren einfach nur mehr „Modulare Raumstation" üblich.

Etwa ein Fünftel der Masse der ISS

Das zylindrische Kernmodul Tianhe ist rund 17 Meter lang und hat um die vier Meter im Durchmesser, samt der zwei weiteren Teile wird die Masse der Station etwa ein Fünftel jener der ISS (zuletzt 420 Tonnen) betragen. Die Umlaufbahn ist in etwa 340 bis 450 Kilometern.

Grafisches Modell der Station mit den Namen der drei Module sowie von zwei Raumschiffen (Tianzhou, Shenzhou).Saggitarius A/CC BY-SA 4.0

China hatte sich seinerzeit für die Teilnahme an der ISS interessiert, war allerdings am Widerstand vor allem der USA gescheitert.

"Tianhe ist ein wichtiges Pilotprojekt für den Aufbau einer Nation, die bei Technologie und im Weltraum stark ist", sagte Präsident Xi Jinping. Die geplante Nutzungsdauer beträgt zehn Jahre, aber so wie bei der ISS ist es wahrscheinlich, dass diese Zeit verlängert wird, zumal der weitere Ausbau unabsehbar ist. Für Phase eins sind jedenfalls noch etwa zehn weitere Raketenstarts mit Menschen und/oder Material nötig.

Russland nähert sich China im All an

Chinas Weltraumprogramm ist mindestens so ehrgeizig wie jene der USA und Russlands in den 1950er- bis 1970er-Jahren. China brachte zuletzt Sonden und Rover zu Mond und Mars und beabsichtigt eine bemannte Mondlandung plus Bau einer Mondbasis in den 2030er-Jahren.

Die Zukunft der ISS indes ist ungewiss. 2024 oder 2025 dürfte sie aufgegeben werden, das ist indes eine Verlängerung gegenüber dem anfänglichen Zeithorizont 2020. Eine Jahre zusätzlich wären technisch leicht möglich. Moskau betonte kürzlich seinen Rückzug bis 2025, plant den Bau einer eigenen Großstation und wendet sich im Bereich Raumfahrt ostentativ von den USA ab und China zu. Es gibt sogar Gespräche über einen gemeinsamen Bau der Mondbasis.

(Reuters/wg)