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Gastkommentar

Indiens Covid-19-Tsunami: Die Liste der Fehler ist lang

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APA/AFP/PUNIT PARANJPE
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Wie konnte, nachdem Indien zum normalen wirtschaftlichen Leben zurückgekehrt war und bereits Impfstoffe exportiert hatte, alles so derart schief gehen? Die Liste der Fehler ist lang.

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Wenn ein Kolumnist seine Worte, nachdem er sie geschrieben hat, zurücknehmen muss, ist das demütigend. Noch vor zwei Monaten, als Indien Millionen Dosen Covid-19-Impfstoffe an über 60 Länder geliefert hatte, habe ich die „Impfdiplomatie“ des Landes gelobt. Mit dieser Aktion erhielt der indische Anspruch, als Weltmacht betrachtet zu werden, enormen Auftrieb. Heute aber, angesichts von über 300.000 neuen Fällen am Tag – und Todeszahlen, die wohl viel höher liegen als offiziell berichtet – wirkt Indien nicht mehr wie ein globales Vorbild.

Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich besorgt war, weil Indien dreimal mehr Impfstoffe exportiert als im eigenen Land verabreicht hatte. Nachdem das Land erst im Januar damit begonnen hatte, etwa drei Millionen Gesundheitsarbeiter zu impfen, lag es offensichtlich weit hinter seinem Ziel zurück, bis August 400 Millionen Menschen zu immunisieren. „Wachsende Sorgen über steigende Fallzahlen, die Entstehung von möglicherweise impfresistenten Covid-19-Varianten und eine noch nicht wieder völlig erholte Wirtschaft“ schrieb ich, „werden die indische Herausforderung verschärfen, nicht nur die Verpflichtungen gegenüber den Entwicklungsländern zu erfüllen, sondern auch die Nachfrage im Inland zu bedienen.“

Damals erkannte ich noch nicht das wahre Ausmaß dieser Herausforderung. In den letzten Tagen überstieg die Anzahl der Infektionen 17 Millionen, und die offizielle Zahl der Opfer liegt nun bei über 190.000. Alle Krankenhausbetten sind besetzt, die Sauerstoffvorräte sind erschöpft, den Impfzentren gehen die Dosen aus, und die Apotheken können die Nachfrage nach antiviralen Medikamenten nicht mehr befriedigen. Indien gerät ins Taumeln.