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Serie: Natur-Talente

Sonnet155: Tasche aus Fruchtleder wird zu Dünger

Es war einmal ein Apfel ...
Es war einmal ein Apfel ...Sonnet155
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Für die ersten Prototypen ihrer kompostierbaren Tasche haben zwei Designstudenten noch Obstreste von Freunden gesammelt.

Temporäre Handtasche oder formschöner Dünger? Beides. Die Berliner Designstudenten Lobke Beckfeld und Johanna Hehemeyer-Cürten haben die Fruchtledertasche Sonnet155 entwickelt. Wird sie nicht mehr genutzt, löst man sie in Wasser auf und düngt damit seine Pflanzen. Das ist möglich, weil der Hauptbestandteil der Taschen Pektin ist, ein Geliermittel, das aus den Zellwänden von Abfallfrüchten extrahiert wird. Verstärkt wird das Gelee durch Cellulosefasern. Zusammen mit Wasser erhält das Material seinen letzten Schliff und nach einer fünftägigen Wartezeit ist es fest genug, um zusammengenäht zu werden. Die Designerin Hehemeyer-Cürten beantwortet uns ein paar Fragen zu ihren Fruchttaschen.

Wie ist die Idee zu Sonnet155 entstanden?  

Hehemeyer-Cürten: Ausgehend von der Idee durch die Verwendung und Verarbeitung industrieller Abfälle begehrliche Textilien herzustellen, entstand zunächst das Kompositmaterial. Die materialspezifischen Eigenschaften waren danach bestimmend für die Gestaltung. Aufgrund der Möglichkeit zur Kompostierung und der Herstellung mit geringem Energieaufwand erschien ein Produkt innerhalb eines kurzen Lebenszyklus besonders geeignet. So entstand der Entwurf einer eleganten Alternative zur herkömmlichen Papiertüte.

Woher beziehen Sie die Inhaltsstoffe?

Die Zellulosereste wurden von der Frottana Textil GmbH gesponsert, ein deutscher Textilhersteller, der sich auf Baumwollgewebe spezialisiert hat. Für die ersten Prototypen haben wir Obstreste von Freunden und Familie gesammelt, um Pektin zu gewinnen. Wir haben aber auch mit pulverisiertem Apfelpektin gearbeitet, das wir online bei einem Gewürzhersteller im Schwarzwald bestellt hatten. In Zukunft möchten wir mit lokalen Apfelsaftproduzenten zusammenarbeiten.

Sonnet155

Sind die Taschen vegan, wie erhalten sie ihre Farben?

Ja, die Taschen sind vegan. Wir verwenden die natürlichen Farben des Pektins, die, abhängig von der Frucht, von gelb, orange bis rot oder braun reichen. Außerdem nutzen wir bereits vorgefärbte Zellulosereste. Um das Farbspektrum zu vervollständigen, nutzen wir Erd-, Mineral- und Spinellpigmente.

Für welches gesellschaftliche Feld hätten Sie Sonnet155 am liebsten vorgesehen, wenn sich ein passender Industrieproduzent findet?

Wir haben die Tasche als Alternative zur herkömmlichen Papiertüte entworfen. Aber wir hoffen natürlich, dass sie benutzt und geliebt wird, bis sie sich aufzulösen beginnt. Somit handelt es sich auch um eine Art Handtasche.

Sonnet155

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