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Mein Freitag

Die Sorge nach der Vorfreude

Wird man sich so schnell wieder in das alte (Sozial-)Leben zurechtfinden?
Wird man sich so schnell wieder in das alte (Sozial-)Leben zurechtfinden?APA/HANS PUNZ
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Gerade überwiegen wohl bei den meisten andere Gefühle. Die Sorge zum Beispiel, sich selbst zu infizieren. Oder die Angst um andere, die erkrankt sind. Die Trauer um diejenigen, die verstorben sind. Der Frust und die Furcht über die jetzige Situation und all ihre Folgen.

Ein bisschen Vorfreude mischt sich bald aber hoffentlich dazu. Auf diesen Sommer, der zumindest wieder ein bisschen normaler werden soll.

Wenn man das Glück hat, jung und gesund zu sein, hat man auch das Pech, noch etwas länger auf die Impfung warten zu müssen. Für mich ist der Termin wohl noch weiter entfernt, und davor muss ich noch ein paar Dinge erledigen (wo ist eigentlich mein Impfpass?). Trotzdem mischt sich vorsichtig ein neues Gefühl hinzu, unter all den anderen emotionalen Schichten: die Sorge während der Vorfreude. Weil: Wird man sich so schnell wieder in das alte (Sozial-)Leben zurechtfinden?

Ist man zum Beispiel nach eineinhalb Jahren Corona noch zu Smalltalk fähig? Auf Online-Feiern und Zoom-Besprechungen konnte man jetzt noch das Geplänkel oder peinliche Schweigen mit technischen Problemen überspielen (Könnt ihr mich hören?). Irgendwann wird man aber auf einer Party oder einem Netzwerktreffen auch wieder über das Wetter sprechen. Und überhaupt: Wenn wieder das Leben erwacht, wird man von einer Veranstaltung zur nächsten laufen? Gut möglich, dass man sich dann nur langsam an das neue, alte Tempo gewöhnt. Es bleibt die Frage, wie der Gastgeber oder die Gastgeberin auf „Ich brauche einen ruhigen Abend daheim“ als Entschuldigung reagiert.

Vielleicht mischt sich auch ein bisschen schlechtes Gewissen dazu. Wegen all der Projekte in der Wohnung, die man während des Lockdowns nicht angegangen ist. Wegen der Formulare und bürokratischen Angelegenheiten, die sich so gut bei der Ausgangsbeschränkung erledigen hätten lassen!

Aber bis es so weit ist, konzentriere ich mich auf etwas anderes: Die reine Vorfreude nämlich.

E-Mails an: iris.bonavida@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2021)