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Rechtsstreit: Meinl schließt Frieden mit Rebellen

Meinl schliesst Frieden Rebellen
Meinl(c) REUTERS (STRINGER/AUSTRIA)
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Die Meinl Bank vergleicht sich mit den Ex-Töchtern Airports und Power International und zahlt sechs Millionen Euro. Für die Anleger steigen nun die Chancen, dass sie bald einen Schlussstrich ziehen können.

Wien (gau).Julius Meinl hat die Friedenspfeife ausgepackt. Atrium, die Nachfolgefirma der Meinl European Land (MEL), schoss im August mit einer 2,1-Milliarden-Schadenersatzklage aus allen Rohren gegen seine Bank und sein Privatvermögen, aber Meinl-Sprecher Thomas Huemer hörte dahinter nur einen „Aufschrei, sich an den Tisch zu setzen“. Dass die Bank zu Vergleichen ohne Kadi bereit ist, demonstriert sie nun an den beiden kleineren Fronten, von denen sie sich offenbar zurückziehen will.

Es geht um die Langzeitscharmützel mit den „Rebellen“, einer Gruppe von Hedgefonds, die das Kommando über die Konzeptgesellschaften Meinl Airports International und Meinl International Power übernommen haben. Eineinhalb Jahre lang deckten sich beide Seiten gegenseitig mit Klagen im Streitwert von 300 Mio. Euro ein.

Am Wochenende schloss man im Wesentlichen Frieden: Die Streithähne verzichten auf Forderungen und strafrechtlich relevante Vorwürfe, Meinl zahlt sechs Mio. Euro und bekommt dafür die (unverkäuflichen) Beteiligungen am Flughafen Parma und am Windpark Hohenlohe zurück. Offen sind nur noch zwei Schiedsgerichtsverfahren bei der Wirtschaftskammer im Streitwert von je 30 Mio. Euro, bei denen es um überhöhte Gebühren für die beiden Börsegänge im Jahr 2007 geht. Im November ist Verhandlung, mit etwas Glück können die glücklosen Unternehmen dann im kommenden Jahr ins Firmenbuch-Nirwana eingehen. Denn das neue Management will alle Beteiligungen loswerden und das Geld auszahlen, damit die Anleger mit einem blauen Augen davonkommen.

Anders als bei der Immobiliengesellschaft stritt man nicht über „Betrug und Marktmanipulation“ im Zusammenhang mit einem Rückkauf eigener Zertifikate. Sondern „nur“, wie es die Rebellen sehen, um Fehlinvestitionen eines unfähigen Managements, das sich sein segensarmes Wirken mit überhöhten Fees entlohnen ließ und so eingesammeltes Geld aus dem jungen Unternehmen zog. Oder, wie es die Gegenseite sah, um den Schaden aus der eigenmächtigen Aufkündigung eines gültigen Managementvertrags. Dass die Flughafen-Investments nicht abhoben und die Energieprojekte keine Renditen generierten, erklärt die Meinl Bank mit der Finanz- und Wirtschaftskrise. Zur Erinnerung: Im Board der „Power“-Managementgesellschaft saß Karl-Heinz Grasser.

 

Käufer verzweifelt gesucht

Im Vorjahr beauftragten die Rebellen die Investmentbank Goldman Sachs mit einem Verkaufsverfahren. Keine leichte Aufgabe, denn Interessenten für die Assets waren rar. Dennoch gelang es, die meisten Beteiligungen an den Mann zu bringen. Besser ging das bei den Windparks und bei Projekten, die erst auf dem Papier existieren. Sehr schwer fiel es bei den Flughäfen. Das sibirische Objekt Ulan Ude steht immer noch in den Büchern. Auf dem freien Markt als unverkäuflich erwies sich der „Aeroporto“ von Parma, den nun die Meinl Bank ihr Eigen nennen darf.

Was bedeutet der Vergleich für die leidgeplagten Anleger? Sie haben bei beiden Gesellschaften zehn Euro pro Zertifikat investiert. Der Kurs deutet in Richtung Totalverlust, aber relevant ist der Abwicklungserlös. Bei Airports International wurden 4,05 Euro pro Zertifikat schon ausbezahlt, etwas mehr als die Hälfte des Einsatzes soll es am Ende werden. Besser sieht es bei Power International aus: 7,30 Euro wurden retourniert, bis zu 8,30 Euro könnte es gehen.

In diesen Schätzungen ist der nun erzielte Vergleich schon berücksichtigt. Für die Anleger steigen nun die Chancen, dass sie bald einen Schlussstrich ziehen können und nicht noch jahrelang auf das Ende eines Rechtsstreits warten müssen – mit der Angst im Nacken, dass die Meinl Bank bis dahin in der Causa MEL/Atrium finanziell ausbluten könnte.

AUF EINEN BLICK

Airports International (AI) wurde 2007 als „Meinl International Airports“ auf der Kanalinsel Jersey gegründet und mit Zertifikaten an die Wiener Börse gebracht. Die Gesellschaft sollte sich mit dem eingesammelten Geld an zukunftsträchtigen Flughäfen beteiligen.Power International (PI) hieß früher „Meinl International Power“ und sollte sich bei Energieprojekten einkaufen. Im Board der operativen Gesellschaft saß Ex-Verbundchef Hans Haider, bei der Managementgesellschaft kassierte Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2010)