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Femizid

Frauenmorde: Mückstein plant Kampagne gegen Männergewalt

PK 'FRAUENMORDE - GEWALTPRAeVENTION BEI MAeNNERN UND WEITERES VORGEHEN'
Grüne Klubobfrau Sigrid Maurer und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein am Sonntag.APA/MICHAEL GRUBER
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Gesundheitsminister Mückstein will Männerberatungsstellen bekannter machen und wenn nötig auch stärker finanzieren. Sigrid Maurer sprach davon, Rollenbilder aufzubrechen und sagte zu dem jüngsten Frauenmord am Donnerstag: „Es geht hier nicht um mich“.

Der nunmehr neunte Frauenmord in Österreich dieses Jahres und die Debatte um Gewalt an Frauen ruft nun auch den neuen grünen Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein auf den Plan. Er verkündete bei einer Pressekonferenz gemeinsam mit der grünen Klubobfrau Sigrid Maurer, stärker bei der Gewaltprävention bei Männern ansetzen zu wollen. Dazu ist eine Kampagne geplant, um Beratungsangebote für Männer (sie sind dem Gesundheitsressort zugeordnet) bekannter zu machen und „an den Mann zu bekommen“.

Neunmal habe heuer bereits ein Mann entscheiden, dass eine Frau ihr Leben nicht mehr weiterführen dürfe. „Es macht mich, wenn ich darüber als Mann und als Vater nachdenken, traurig, und es macht mich wütend“, sagte Mückstein. Zudem mache es ihn fassungslos, dass in die Fälle Beziehungsdramen hineininterpretiert werden und in irgendeiner Form der Frauen eine Mitschuld gegeben werde. „Mord ist Mord, und da gibt es keinen Interpretationsspielraum, da gibt es keine Grauzone“, so Mückstein.

Erstes Ziel müsse der Opferschutz sein, dazu habe Frauenministerin Susanne Raab, Innenminister Karl Nehammer und Justizministerin Alma Zadic bereits zu einem Gewaltschutzgipfel am Montag geladen. Was Mückstein tun könne, ist bei den Männern anzusetzen, bevor es zur Gewalt kommt.

„Wer sich Hilfe sucht, zeigt Stärke"

„Viele Buben lernen heute noch, dass man dem anderen bei Problemen noch eine aufs Maul haut“, in der Gesellschaft würden viele noch glauben, hart sein zu müssen. „Jeder kennt das Gefühl, wenn man aus einer - verzeihen sie mir den Ausdruck - beschissenen Situation nicht mehr rauskommt“. In einer solchen Situation der Frustration und Angst liege es in der Verantwortung des Mannes sein, zu reagieren: „Wer in diesem Moment zuschlägt, zeigt Schwäche, wer sich in diesem Moment Hilfe sucht, zeigt Stärke."

Angebote für Männer gebe es bereits, etwa den Notruf Männerinfo, doch sie seien bei vielen noch zu wenig bekannt. Eine Kampagne, die gemeinsam mit dem „Dachverband für Männer-, Burschen-, und Väterarbeit“ entwickelt wird. Auch eine stärkere Finanzierung für die Männerberatungsstellen schloss Mückstein nicht aus. „Die wird es hoffentlich brauchen, wenn wir Angebote bekannter machen“. Zunächst wolle er eine Bestandsaufnahme machen, und ansehen, wo es Nachbesserungsbedarf gebe.

Mauer: „Es geht hier nicht um mich"

Maurer betonte, dass man Rollenbilder von dem harten Mann und der untergeordneten Frau aufbrechen müsse. Dabei gehe es nicht darum, „Frauen gegen Männer auszuspielen“. Denn auch viele Frauen hätten auch noch die Erwartung, dass Männer stark sein müssten. „Diese Bilder müssen wir durchbrechen, und das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Hass beginne schon im Kleinen, auch bei der Sprache. Auch wenn eine Hassbotschaft nicht per se in einer Gewalttat münde, gebe es „Anzeichen dafür, wenn Männer gefährlichen Hass entwickeln. Angesprochen auf ihre eigene Betroffenheit mit dem jüngsten Frauenmord - der Tatverdächtige dürfte jener Mann sein, der Maurer Hassbotschaften geschickt haben soll und sie anschließend geklagt hatte - wollte sich Maurer sich nicht äußern: „Es geht hier nicht um mich.“ 

Rechtliche Instrumente ausreichend

In Sachen Opferschutz habe Österreich schon viele und die richtigen rechtlichen Instrumente, sagte Maurer, etwa einstweilige Verfügungen, Betretungsverbote oder U-Haft. „Sie kommen leider zu selten zur Anwendung“. Frauenministerin Raab habe bereits eine Kampagne angekündigt, um diese Instrumente stärker zu bewerben. Andererseits würden sich Frauen oft nicht trauen, zur Polizei zu gehen. Dass nun auch Opferschutzeinrichtungen etwa eine einstweilige Verfügung für eine Frau beantragen dürfen, sei ein „Meilenstein“, sagte Maurer. Denn allein der Gang zu Gericht könne für eine Frau bereits zur Gefahr werden.

Zudem seien aber auch mehr Sensibilisierungsmaßnahmen bei der Polizei nötig, dies solle schon bei der Ausbildung von Polizisten forciert werden, sagte Maurer. Die Wiederaufnahmen der Fallkonferenzen über Hochrisiko-Täter, deren Verbesserung auch bei dem Gewaltschutzgipfel am Montag besprochen werden sollen, sei ein weiterer wesentlicher Schritt.

Über 200 Kulturschaffende starten Aufruf

Über 200 Kunst- und Kulturschaffende haben indes unter dem Titel "Gegen Gewalt an Frauen. Frauenmorde - Es geht uns alle an" einen Aufruf gestartet, für den ab Montag Unterstützungserklärungen gesammelt werden. Initiiert wurde der Aufruf von Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren. Zu den Unterzeichnenden gehören u.a. die Autorinnen und Autoren Barbara Frischmuth, Marlene Streeruwitz, Alfred Komarek, Doron Rabinovici und Julya Rabinowich.

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"Die in den ersten Reaktionen auf den neuerlichen Frauenmord aus Beziehungsgründen ins Gespräch gebrachten Maßnahmen sind zu wenig, um die Ungeheuerlichkeit dieses Frauenmords und aller anderen Frauenmorde allgemein begreiflich zu machen und für die Zukunft zu verhindern. Sie sind zu wenig, um etwas gegen Gewalt an Frauen und Gewalt in der Familie wirksam und nachhaltig zu erreichen", heißt es in dem Schreiben.

Es gehe nicht um Ausnahmefälle und um Nachbesserungen an einem ansonsten gut funktionierenden System, "es geht um eine insgesamt andere als bisher übliche Herangehensweise", so die Unterzeichner weiter. "Wir fordern die klare Verurteilung der Gewalt an Frauen durch alle politischen Repräsentantinnen und Repräsentanten und Parteien, nicht nur durch die Zuständigen in den Parteien und in der Regierung." Weiters gefordert wird eine großangelegte öffentliche Kampagne zur Thematisierung der Gewalt an Frauen sowie eine massive Aufwertung und Unterstützung der Frauenhäuser und verpflichtende Anti-Gewalt-Therapie für gewalttätige Männer. Unter den prominenten Namen finden sich auch die Schauspieler Günter Tolar, Miguel Herz-Kestranek, Adi Hirschal oder Karl Markovics.

Männerberatung Wien: Die Männerberatung Wien bietet psychologische, psychotherapeutische, soziale und juristische Hilfe sowie Gewaltberatung, Beratung für Jugendliche oder Väter.

www.maenner.at, +43 1 603 28 28
 

Männerinfo: Männerberatung bei Gewalt in der Familie, Krisenintervention, Deeskalation, Konfliktberatung. In allen Bundesländern.

www.maennerinfo.at, 0720 / 70 44 00

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(twi)