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Forschung

Richterin von Lügendetektor „überführt“: Uni probt Zukunft

„Sie müssen jede Frage schnell und gewissenhaft beantworten.“
„Sie müssen jede Frage schnell und gewissenhaft beantworten.“Imago Images
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Diskussion an JKU Linz lotet Möglichkeiten künstlicher Intelligenz in der Justiz aus: Bis zu Entscheidungsentwürfen, nicht weiter.

Wien/Linz. „Sie müssen jede Frage schnell und gewissenhaft beantworten.“ Mit dem Laptop, der diese Aufforderung zeigt, ist nicht zu spaßen. Nachsatz: „Versuchen Sie möglichst ehrlich zu wirken!“ Der Computer fungiert als Lügendetektor, vor ihm Platz genommen hat eine Richterin des Landesverwaltungsgerichts OÖ. In der Versuchsanordnung hatte sie zuvor Geld in einen von zehn Tresoren gelegt. Sie soll versuchen, die Maschine zu täuschen.

Der Computer lässt nicht locker: Mehrmals nacheinander muss die Probandin zehnmal beantworten, ob ständig variierte Aussagen wahr oder falsch sind: „Der Tresor, den ich nicht wählte, war Nummer 1“, „Nummer 5 ist der Tresor, in dem das Geld liegt“, „Heute wählte ich Nummer 6“ oder „Nummer 9 war nicht meine Wahl“. Zur Auflockerung gibt es zwischendurch „Fragen zum Allgemeinwissen“, ebenfalls mit einem Klick auf wahr oder falsch zu quittieren: „Paris ist die größte Stadt von Neuseeland.“

Schafft es der Computer, die Testperson zu überführen? Ja: Obwohl die Richterin es verheimlichen wollte, erkennt er, dass das Geld – ein 20-Euro-Schein – in Tresor 7 liegt. Ein Zaubertrick?

Nicht wirklich. „Der Lügendetektor ist mit einer besonders guten Kamera ausgestattet, die Pupillenbewegungen sehr gut aufnehmen kann“, erläutert Michael Mayrhofer, Dekan der Linzer Jusfakultät und Zeremonienmeister der Vorführung. Der Detektor beruhe „auf der Annahme, dass Lügen eine besondere kognitive Belastung auslöst, die sich in Pupillenbewegungen zeigt.“ Diese würden gemessen, ein Algorithmus errechne dann den Glaubwürdigkeitswert der Aussagen.

Besser, als ein Mensch urteilen würde? Das war eine der Fragen, um die vorige Woche die Auftaktveranstaltung „Digitalisierung und künstliche Intelligenz in der Gerichtsbarkeit“ für den neuen Schwerpunkt „Procedural Justice“ an der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz kreiste. Rektor Meinhard Lukas hatte bei der Eröffnung einbekannt, dass der Einsatz von Instrumenten wie dem Lügendetektor „bei gestandenen Richtern Aversionen auslöst. Aber es gibt immer ein Kalkül bei der Wahrheitserforschung.“ Doch habe künstliche Intelligenz (KI) immerhin den Vorteil, auf einem offenen, überprüfbaren Kalkül zu beruhen. „Man sollte diskutieren, was bisher die Kalküle sind, wenn der Sachverhalt ermittelt wird“, sagte Lukas über eines der Ziele des neuen Schwerpunkts.