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"Gaffen tötet!"

Johanniter schlagen Schaulustige mit QR-Codes zurück

Die Johanniter setzen auf Technik und Bewusstseinsbildung im Kampf gegen Gaffer.(c) Scholz & Friends (André Wagenzik)
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Seit jeher haben Einsatzkräfte gegen Schaulustige zu kämpfen. Ihre Methoden werden aber immer dreister. Das kostet Zeit, die manche Verletzte nicht haben. Die Johanniter in Deutschland setzen im Kampf auf smarte Technologien.

Das Phänomen Schaulustiger an Tatorten, Unfällen ist nicht neu. Die Möglichkeit, das Gesehene auch sofort in ein Bild zu fassen und online zu teilen, hingegen schon. Das führt dazu, dass Rettungskräfte bei ihrer Arbeit behindert werden. Dass die Technik gegen die Gaffer eingesetzt werden kann, beweisen die Johanniter in Deutschland.

Moderne Smartphones brauchen heute keine eigene App mehr, um QR-Codes auszulesen. Die viereckigen vermeintlich nichtssagenden Muster können viele Informationen wie Kontaktdaten und Links zu Webseiten beherbergen und direkt von der Kamera erfasst werden. Diesen Fortschritt machten sich die Unfallhilfe der Johanniter nun zur Aufklärung nutzen.

In Deutschland kein Bagatelldelikt

Schaulustige, die also ihre Kameras an einem Unfallort zücken, bekommen von dieser nicht den Schauplatz angezeigt, sondern die Info: "Stopp! Gaffen tötet!". Zusätzlich werden sie auf eine Webseite weitergeleitet, das über die Gefahren solcher Handlungen aufklären soll und darüber informiert, dass es sich auch in Deutschland um kein Bagatelldelikt handelt. Seit Anfang 2021 kann das Fotografieren oder Filmen eines Verkehrsunfalls mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren bestraft werden. Hierzulande sind die Strafen weniger empfindlich, dennoch drohen Geldstrafen von bis zu 500 Euro und auch eine Haftstrafe ist möglich. Nämlich dann, wenn es zum erschwerenden Umständen kommt oder ein Wiederholungsfall vorliegt.

Die Idee für die Johanniter stammt von einer Werbeagentur und soll jetzt in einem Testprojekt erprobt werden. Dabei soll nicht nur der Unfallwagen neu eingekleidet werden, sondern auch die Rucksäcke und die mobilen Sichtschutzwände den QR-Code in Übergröße aufgedruckt bekommen.

Die Hilfsorganisation erhofft sich dadurch eine größere Beachtung des Themas und Sensibilisierung der Menschen. Denn freie Straßen, die nicht erst von Schaulustigen geräumt werden, sind in manchen Fällen lebenswichtig.

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Einsatzkräfte kritisieren immer dreistere Schaulustige. Psychotherapeut Norbert Neuretter glaubt, dass die Technik das Problem verschärfen wird.