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5 Fragen an die ÖH-Spitzenkandidaten

Darf es in der Mensa noch ein Schnitzel geben?

Keya Baier ist Spitzenkandidatin der Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS).
Keya Baier ist Spitzenkandidatin der Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS).Caio Kauffmann
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Die grüne Spitzenkandidatin Keya Baier erzählt, was sie von Türkis-Grün hält, weshalb alle Studierenden 850 Euro monatlich bekommen sollen und worauf man im Zeichen des Klimaschutzes verzichten muss. Fünf Fragen - und ein paar Nachfragen.

1. Seit mehr als einem Jahr gibt es in Österreich erstmals eine grüne Regierungsbeteiligung. Was hat sich denn seither für die Studierenden verbessert?

Keya Baier: Ich attestiere der Bundesregierung – beziehungsweise insbesondere Bundesminister Faßmann – eine ziemlich große Ignoranz gegenüber den Problemen der Studierenden. Es hätte finanzielle Überbrückungshilfen und gute Konzepte für das Distance Learning gebraucht. Bis heute gibt es das nicht. Insofern kann man gerade beim Bundesminister für Wissenschaft und Bildung durchaus von einem Versagen für die Studierenden sprechen.

Gibt es nicht einen grünen Koalitionspartner, der hätte verhindern müssen, dass es zu einem Versagen kommt?
Das ist richtig. Allerdings liegt das Wissenschaftsressort leider in türkiser Hand. Die Grünen haben da - soweit ich das sehen kann - relativ wenig Mitspracherecht.

Die Grünen haben zuletzt sogar der Einführung einer Mindeststudienleistung zugestimmt.
Die Grünen sind in der Regierung angekommen und damit in der Kompromissrealität. Das Vorhaben konnte zumindest abgefedert werden. Letztendlich hat man sich aber auf einen Kompromiss geeinigt, der aus Sicht der Gras absolut untragbar ist. Denn für uns ist jeder Mindest-ECTS-Punkt einer zu viel.

Die Gras scheint keinen großen Einfluss zu haben.
Wir sind mit vielem, was die Grünen in der Regierung tun, nicht einverstanden. Wir haben aber durchaus einen Einfluss darauf, was sie in den Ministerrat und in die Novellierungen einbringen.

2. Die Gras wirbt mit dem Spruch „Die Uni brennt“. Wo lodert denn das Feuer?

In der Coronakrise betrifft das vor allem die Digitalisierung. Die ist an unseren Hochschulen auf einem absurden Stand. Außerdem müssen die Studierenden mit finanziellen Hilfen aus der Krise geholt werden. Das ist aber nicht alles. Die Hochschule müsste aus unserer Sicht ein ganz anderer Raum der Bildung werden. Die Leute werden immer schneller durch die Kurse geschubst, sie sollen immer schneller zu ihrem Abschluss kommen. Es ist kein Raum mehr für Austausch und tiefsinnige Wissenschaft.

3. Nicht nur die Uni brennt, sondern auch das Klima, heißt es in den Wahlvideos der Gras. Worauf sollen die Studierenden im Sinne des Klimaschutzes verzichten?

Das ist keine Frage des Verzichts von Studierenden. Das ist der falsche Ansatz. Wir fordern die klimaneutrale Hochschule, weil die Hochschulen riesengroße Player in der Gesellschaft sind. Sie beschäftigen Menschen und bilden Personen aus, die später gesellschaftliche Verantwortung tragen. Eine klimaneutrale Hochschule würde zum Klimaschutz der Republik unglaublich viel beitragen.

Geht Klimaschutz ohne Verzicht?
Die Hochschulen werden verzichten bzw. umdisponieren müssen.

Wer sind denn die Hochschulen?
Das sind die Hochschulleitungen, die Hochschulbediensteten. Wir fordern zum Beispiel nachhaltige Dienstreisen, dass also nicht mehr mit dem Flugzeug geflogen, sondern mit dem Zug gefahren wird. Das ist kein Verzicht, das ist ein Umdisponieren.

Aber sind Studierende da auch inbegriffen? Sollen sie ihren Sommerurlaub auch mit dem Zug antreten?
Das ist, wie ich erwähnt habe, der falsche Ansatz. Wir fordern, dass die Hochschule zum klimaneutralen Raum wird, indem Mensen ökologisch nachhaltig werden, indem die Hochschule auf C02-neutrale Energieversorgung setzt. Ob die Studierenden in den Urlaub fliegen, ist ihnen überlassen.

Und darf es in der Mensa noch ein Wiener Schnitzel geben?
Wir fordern einen Ausbau des vegetarischen und veganen Angebots und mehr regionale und saisonale Produkte. Und wenn das Schnitzel so wichtig ist, dann kann es auch weiter angeboten werden, sofern es aus ökologisch nachhaltigen Quellen kommt.

Keya Baier im "Presse"-Interview im Arkadenhof der Universität Wien.
Keya Baier im "Presse"-Interview im Arkadenhof der Universität WienBernadette Bayrhammer

4. Die Gras fordert ein Grundstipendium von 850 Euro monatlich für alle Studierenden - egal aus welchem Elternhaus. Ist es fair, wenn das auch Kinder aus reichem Elternhaus bekommen?

Ein Studium muss frei und selbstbestimmt möglich sein. Ganz egal, aus welchem Haushalt man kommt. Viele Studierende, die reiche Eltern haben, werden trotzdem nicht unterstützt und müssen neben dem Studium arbeiten. Insgesamt arbeiten 66 Prozent der Studierenden. Wir zwingen ganze Generationen von jungen Menschen zu einer Doppelbelastung. Deshalb halten wir ein Grundstipendium für eine sinnvolle Lösung, damit sich alle ganz auf ihr Studium konzentrieren können.

Rechtlich gesehen müssten die Eltern, die es sich leisten können, aber für finanzielle Unterstützung sorgen.
Richtig. Aber wenn man sich die Statistiken anschaut, ist das nicht der Fall.

5. Im Bund regiert Türkis-Grün. Ist das auf ÖH-Ebene auch eine Option?

Das wird sich zeigen. Wir sind auf jeden Fall bereit, mit allen Fraktionen, die mit uns für eine ökologisch nachhaltige, freie und selbstbestimmte Hochschule und für ein gutes Leben für alle kämpfen wollen, zu sprechen. Ich persönlich komme aus einer stabilen linken Koalition und das ist grundsätzlich auch mein Ziel für die Bundesvertretung.

Das ist interessant. Denn bisher hat die Gras eine Koalition mit der ÖVP-nahen Aktionsgemeinschaft stets ausgeschlossen. Die AG mache studierendenfeindliche Politik, hieß es da etwa.
Ich schließe nichts aus. Aber wenn man sich anschaut, wie die Aktionsgemeinschaft derzeit im Vorsitz agiert, dann ist das Bild noch immer ähnlich, denn auch bei der Novelle zum Universitätsgesetz (damit wurde die Mindeststudienleistung eingeführt, Anm.) hat sich gezeigt, dass die AG nicht wirklich auf der Seite der Studierenden steht.

Zur Person

Keya Baier geht als Spitzenkandidatin der Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS) ins Rennen. Die ÖH-Wahl findet von 18. bis 20. Mai statt. Baier wurde in Berlin geboren und wuchs im deutschen Bundesland Schleswig-Holstein auf. Seit sie 15 ist, engagiert sie sich in diversen grünen Projekten. Seit 2019 fungiert die Politikwissenschaftsstudentin als Vorsitzende der ÖH Salzburg.