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Vierter WM-Titel

Snooker-Weltmeister Selby: Nicht mit dem Queue in der Hand geboren

Mit seinem vierten WM-Titel stieß Mark Selby in eine illustre Snooker-Runde vor.
Mit seinem vierten WM-Titel stieß Mark Selby in eine illustre Snooker-Runde vor.
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Mark Selby heißt der neue Weltmeister. Seine Erfolge sieht er nicht auf Talent, sondern harter Arbeit gefußt. Der Spaßvogel aus Leicester hat auch schon Zeiten durchlebt, in denen ihm gar nicht nach Lachen zumute war.

Sheffield/Wien. Mark Selby ist zurück auf dem Snooker-Thron. Mit dem 18:15-Sieg im Finale gegen seinen englischen Landsmann Shaun Murphy kürte er sich zum vierten Mal nach 2014, 2016 und 2017 zum Weltmeister. „Ich bin nicht der Talentierteste. Wenn man sich Ronnie (Anm. O'Sullivan) oder Judd (Anm. Trump) anschaut, die wurden quasi mit dem Queue in der Hand geboren. Ich musste mir alles in meiner Karriere hart erarbeiten“, meinte der 37-Jährige nachdem er den Pokal überreicht bekommen hatte.

Mit seinem Triumph im vollen Crucible Theatre in Sheffield stieg Selby in einen illustren Snooker-Kreis auf: Vier WM-Titel haben außer ihm nur Stephen Hendry, Steve Davis, O'Sullivan and John Higgins vorzuweisen. „Das ist unglaublich. Als ich das erste Mal gewann, war es ein Traum – es ist immer noch ein Traum“, frohlockte er. Sein Durchmarsch war ein hochverdienter, schaltete er doch mit Mark Williams, Stuart Bingham und Murphy gleich drei ehemalige Weltmeister nacheinander aus. Doch der „Jester aus Leicester“ (Spaßvogel aus Leicester) kennt auch die andere Seite. „Vor ein paar Jahren hatte ich dunkle Tage. Meine Familie weiß, was ich durchgemacht habe.“

Die dunkle Seite

Selby hatte schon eine harte Kindheit. Im Alter von acht Jahren verließ seine Mutter die Familie, er wuchs in ärmlichen Verhältnissen im Sozialbau auf. Mit 16 verstarb sein Vater, den Teenager plagten Selbstmordgedanken. Doch im Sport fand er eine Perspektive, wurde nur zwei Monate später Profi. 2007 erreichte er erstmals das WM-Finale (Niederlage gegen Higgins), 2013 stieg er schließlich zur Nummer eins der Welt auf.

Selby wurde „Vampir“ getauft, weil er nie aufgab. „Er saugt alles Leben und alles Adrenalin aus dir“, konstatierte der siebenmalige Weltmeister Hendry. Damit hatte er lange Erfolg, ehe er 2018 in ein tiefes Loch stürzte: 14 Monate lang blieb er ohne Turniersieg. Die Misserfolge fraßen das Selbstvertrauen auf, die Zweifel am eigenen Spiel wuchsen. „Es war hart, den Glauben an sich nicht zu verlieren“, gestand der Engländer einmal. Mit der Hilfe von Coach Chris Henry fand er zurück in die Erfolgsspur – kurioserweise betreut dieser übrigens auch seinen WM-Finalgegner Murphy.

Nun also meldete sich Selby auf der größten Snooker-Bühne zurück – und genoss die mit dem Maximum von 980 Fans gefüllten Ränge. Die WM war für die britische Regierung der Testlauf für die Indoor-Rückkehr der Zuschauer. „Es war großartig. Das hat gute Erinnerungen von früher geweckt. Es gibt nichts Besseres, als wenn dich Freunde und Familie anfeuern“, erklärte er bei der Pressekonferenz mit Töchterchen Sofia, 6, auf dem Schoß. Jetzt möchte er Zeit mit Frau und Kind auskosten. „Ich genieße die guten Dinge im Leben und versuche mit beiden Beinen am Boden zu bleiben.“