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Morgenglosse

Die Angst vorm "Impf-Privileg"

++ THEMENBILD ++ CORONA-IMPFUNG / IMPFSTRASSE / IMPFSTOFF / IMPFEN
APA/GEORG HOCHMUTH
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Der Grüne Pass wird uns länger begleiten. Insofern gibt es zum Funktionieren schlicht keine Alternative. Das gilt auch für das österreichische Modell, das lieber nicht zu deutlich zwischen Geimpften und Getesteten unterscheiden will.

Er kommt, um zu bleiben. Auf die Frage, wie lange der Grüne Pass als Eintrittskarte ins soziale Leben nötig sein werde, gab es am Dienstag aus dem Gesundheitsministerium keine klare Antwort, außer: vermutlich bis die WHO die Pandemie aufhebt. Und das kann dauern.

Insofern muss der Pass funktionieren. Österreichweit, EU-weit und letztlich – in welcher Form auch immer - global. Ein Scheitern wie bei der Stop-Corona-App ist einfach nicht drin. Maximal ein Holpern zum Start.

Das wird es natürlich geben. Die Sommersaison naht, entsprechend groß ist die Eile, doch bis jetzt sind auf EU-Ebene noch immer Fragen offen, etwa: Wird es eine einheitliche Altersuntergrenze für eine Testpflicht geben? Oder: Bedeutet „geimpft“ zu sein einen Stich oder zwei? Die Nationalstaaten legen hier verschiedene Maßstäbe an.

Bei der rot-weiß-roten Variante hat man jedenfalls eine ziemlich österreichische Lösung gewählt. Also: Einerseits, andererseits. Einerseits will man unbedingt den Eindruck vermeiden, dass irgendwer irgendwie zum Impfen gezwungen wird. Andererseits soll das Nicht-Geimpft-Sein doch recht unbequem werden.

Entsprechend dieser Logik hat man sich anders als etwa in Bayern gegen eine klare Bevorzugung der (komplett) Geimpften gegenüber Getesteten entschieden, die dort u. a. mit einem niedrigerem Virus-Verbreitungsrisiko begründet wird. Generell läuft in Deutschland gerade eine viel internsivere Debatte über die„Rückgabe der Freiheitsrechte“ für Geimpfte.

In Österreich müssen sich (Erst-)Geimpfte dagegen zwar nicht mehr testen lassen, werden aber sonst wie Getestete behandelt (d. h. solange sie  die zweite Impfung wahrnehmen). In Bayern haben vollständig Geimpfte zusätzliche Rechte, z. B. werden sie nicht mehr bei der maximal möglichen Zahl der sozialen Kontaktpersonen mitgezählt.  Derlei gibt es hierzulande nicht. Das roch Türkis-Grün offenbar zu sehr nach „Impf-Privileg“.

Zettel und noch mehr Zettel

Den indirekten Push zur Impfung gibt es aber natürlich trotzdem. Nüchtern betrachtet wird ein Leben ohne Impfpass für alle ab 10 Jahren (darunter entfällt die Testpflicht) zur Dauer-Stäbchen-Gurgel-Routine. Die kostet zwar (noch) nichts, ist aber lästig. Reiseveranstalter, Fluglinien und Drittländer könnten zudem ohnehin exklusiv auf Impfungen bestehen.

Wobei man bedenken muss: All das betrifft möglicherweise nicht nur Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, sondern halt auch solche, die sich nicht impfen lassen können, weil zu jung oder zu krank.

Elegant lösen lässt sich das leider nicht. Das gilt auch für die Zettelwirtschaft (samt Fälschungspotenzial), die die Einführung des Grünen Passes begleiten wird. Da es keine Smartphone-Pflicht gibt, kann man halt nicht auf App only setzen, sondern es braucht auch ganz schön viel Papier. Wobei die E-Card als „Schlüssel“ zu den diversen Nachweis-Plattformen (Tests, Impfung, Genesung) durchaus eine lebensnahe Alternative ist. Zumindest innerösterreichisch.

Apropos nah dran am praktischen Leben, nämlich dem parteipolitischen: Wie sich es anfühlt Rudolf Anschobers Nachfolger zu sein, konnte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein am Dienstag hautnah spüren. Da sagte der Kanzler auf die Frage, ob auch Impfungen mit nicht von der EMA zugelassenen Impfstoffen in Österreich für den Grünen Pass anerkannt würden, sinngemäß: Ja sicher. Die Welt der Impfstoffe sei eben „bunt“. Und er verkündete zudem en passant eine mögliche bilaterale Pass-Lösung mit der Slowakei. Aus dem Gesundheitsministerium hieß es dagegen zu Ersterem: Abwarten. Und Zweiteres kam gar nicht erst zur Sprache.

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