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Bartoszewski: "Frau Steinbach redet Unsinn"

Bartoszewski: ''Frau Steinbach redet Unsinn''
Bartoszewski: ''Frau Steinbach redet Unsinn''Wladyslaw Bartoszewski (c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Der Deutschlandbeauftragte Polens, Wladyslaw Bartoszewski, äußert sich zu den Angriffen der Vertriebenen-Vorsitzenden Erika Steinbach. Sie hatte Bartoszewski im deutschen Fernsehen scharf angegriffen.

Wien (som). Wladyslaw Bartoszewski ist nicht nur Deutschlandbeauftragter der polnischen Regierung, sondern auch ein Galan der alten Schule. Gern streut er den Frauen Komplimente, küsst ihnen sachte die Hand und ist den „41 Millionen Damen, die Deutschland bevölkern“, grundsätzlich positiv gesinnt. Außer einer. „Dieser Dame“, wie Bartoszewski sie nennt, denn ihren Namen mag er nicht aussprechen.

Der weise Diplomat mit der durchdringenden Stimme lehnt sich zurück in seinem Fauteuil und fängt, fast unmerklich, an zu wippen, wenn das Wort auf „diese Dame“ fällt: die Vorsitzende des deutschen Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach.

Sie hat den Doyen der polnischen Außenpolitik vor zwei Wochen im deutschen Fernsehen scharf angegriffen. Dass er einen „schlechten Charakter“ habe, sagte sie, „ohne Wenn und Aber“. Später, nach einem Aufschrei auch in ihrer Partei, der CDU, nahm Steinbach ihre Worte zurück. Und lud Bartoszewski zu einem gemeinsamen Treffen.

Die Einladung dürfte unbeantwortet bleiben: „Ich spüre keine Notwendigkeit, mit dieser Dame, die sich am Anfang ihres Pensionsalters befindet, das Gespräch zu suchen“, sagt er, 88-jährig und um Humor bemüht, zur „Presse“. Für ihn sei Steinbach, die er noch nie persönlich kennengelernt habe, keine Ansprechpartnerin.

Auch Steinbachs relativierende Anklage, dass Polen im März 1939 schließlich mobilgemacht hätte, scheint an Bartoszewski abzuprallen. „Unsinn“, sagt er. „Sollten wir nach der Besetzung von Prag durch Hitler im März 1939 denn schweigen? Aber niemand mit gesundem Menschenverstand konnte glauben, dass Polen damals bereit war, Deutschland anzugreifen.“

 

Viel Zuspruch aus Deutschland

Relevant in Fragen der Vergangenheit ist für ihn einzig die Linie der Regierung in Berlin. An der zweifle er auch nicht, sagt Bartoszewski, der gern auf Angela Merkels Rede vor einem Jahr auf der Danziger Westerplatte verweist, als die Kanzlerin die Verantwortung für die Schrecken des Zweiten Weltkriegs übernahm.

Recht gebe ihm auch die Reaktion der offiziellen deutschen Politik auf die Ausfälle von Steinbach, die sich als Tochter eines Besatzungssoldaten im damaligen Reichsgau Danzig-Westpreußen heute „als vertrieben erklärt“: „Ich habe Dutzende Telegramme und Briefe bekommen.“ Ob er sich ein deutlicheres Signal von Merkel in der Causa gewünscht hätte? „Nein“, besänftigt Bartoszewski. Und wieder galant: „Sie ist Politikerin, keine Polin.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28. September 2010)